Ihr lag dies alles viel zu weit ab. Sie mochte ihn nicht wiedersehen. Die Vorstellung seines kalten, ausdruckslosen Gesichts brachte ihr ein unbehagliches Gefühl. Kurz, wenn auch nicht unfreundlich, lehnte sie sein Ersuchen mit dem Hinweis ab, daß eine Aussprache ihren unabänderlich feststehenden Entschluß nicht umzustoßen vermöge.

An einem der nächsten Tage kam, nach längerer Pause diesmal, der Vetter Javelingen wieder.

Eva von Ostried sah ihm erstaunt entgegen. „So feierlich? Ja, was gibt es denn? Hat der neue Operntext seinen Komponisten gefunden und bringen Sie mir schon die weibliche Hauptrolle zum Studium?“

Er schüttelte den Kopf.

„Das ist es nicht! Ich komme als Abgesandter des Kummersbacher.“ Er sah, daß sie die Lippen verzog, als schmecke sie einen unangenehm bitteren Trank.

„Augenscheinlich mochten Sie ihn damals sehr gern,“ wunderte er sich. „Und jetzt plötzlich? Wirklich, ich merkte längst die Umwandlung.“ Es klang hilflos.

„Von solchen Kleinigkeiten sollten Sie sich nicht quälen lassen,“ mahnte sie sanft.

„Es schmerzt mich, daß Sie sich so fest verschließen, Eva.“

„Tue ich das? Dann ist es jedenfalls nichts neues. Sie kennen mich nur noch nicht von dieser meiner eigentlichen Seite. Gewiß, der Kummersbacher war sehr gut zu mir und ich habe auch nicht das Geringste gegen ihn. Ich bin aber wider alles Gewaltsame. Warum soll ich jetzt plötzlich einer Verwandtschaft wegen, die mir bisher nichts war, in einen neuen Kreis hineinlaufen? Denn, nicht wahr, mit dem Kummersbacher allein hätte es in Zukunft nicht sein Bewenden.“