„Laß mir deine Hände, Walter.“
Er fühlte die Eiseskälte ihrer Finger und schauerte zusammen, weil er daraus die Nähe des Todes zu spüren meinte. Ihre Stimme war so leise, daß er sich zu ihren Lippen herabneigen mußte, um sie überhaupt zu verstehen.
„Er hatte geschworen, mich zu seiner Frau zu machen.“
„Das hast du geglaubt?“
„Wäre ich sonst zu ihm gegangen? Konntest du das auch nur einen Augenblick von mir glauben, Bruder?“
Er schwieg. Das war das Härteste gewesen, daß er davon überzeugt war.
„Ich schwöre es dir! Als ich die untrüglichen Beweise seiner Treulosigkeit hatte, als ich wußte, daß bereits eine andere seinen Namen trug, ohne daß mir eine Ahnung davon gekommen war, verließ ich ihn.“
„Wie habe ich dich gesucht, Lieselott...“
„Finden lassen durfte ich mich nicht von dir. Nicht wahr, das verstehst du auch. Gelernt hatte ich nichts wie das bißchen Harfenspiel. Und in ein Nachtkaffee wollte ich nicht! – Dein Name, Walter, hat mich vor vielem zurückgehalten. Mit diesem Namen durfte ich auch nicht in der Oeffentlichkeit arbeiten. Du hättest mich gefunden. Ein Zufall half mir. Als ich wieder einmal umsonst nach Beschäftigung gegangen war, fand ich, neben mir, in einem Abteil der Stadtbahn eine Tasche mit Ausweispapieren... Ich nahm sie an mich. Es ging doch nicht anders. Seitdem bin ich „Gretchen Müller.“ Aber er fand mich auch als solches und ließ mir keine Ruhe. In dem Geschäft, das mich angenommen, machte er mich unmöglich. Ich wollte sterben... Da war aber eine, die es verhindert hat. Eine Schülerin von Eva von Ostried. Sie hat mich zu ihr gebracht ...“