„Wie lange schon,“ fragte er heiser.

„Länger als zwei Jahre. Ohne Eva von Ostried wäre ich verhungert. Ihr verdanke ich alles. Nicht nur, daß ich wieder anständige Kleider und eine Heimat erhielt, das sie mich pflegte und umsorgte. Ach, das war wohl schön... Aber das andere war das Wunder, das meine Seele gereinigt hat. Wie eine Schwester ist sie allzeit zu mir gewesen. Sieh her, diese Sachen hat sie für mich gekauft, damit ich auch in ihrer Abwesenheit nicht darbe. Und hier in dieser Mappe stehts, wieviel Geld sie für mich geopfert hat. Woher sie das konnte? – Walterle, ich weiß es nicht, wie so vieles. Aber ich las deinen harten, letzten Brief an sie. Er bestätigte meine Ahnung, die mich nicht verlassen, seitdem ich das erste Mal einen Umschlag mit deiner Handschrift bei ihr sah. Sie ahnt nicht, daß ich deine Schwester bin, wie sie mir auch deinen Namen nicht verraten hat. Nur, daß sie Braut geworden und nachher – – das andere – – daß alles aus sei – – hat sie mir gesagt. Walterle, hör’ zu – – sie hat mich in die Arme genommen, auch damals, als der Verführer bei ihr eindrang und sie wissen mußte... Laß – frage nichts – – fluche ihm auch nicht. Er ist tot – – Vielleicht tat sie es, weil sie auch um sich litt – – Und um dich. Am allermeisten. Nun hast du ihre heiße Liebe, die nur für dich fühlt und bangt, zurückgestoßen...“

Er stöhnte auf. „Was mich das gekostet hat – – –“

„Ich weiß es, denn ich kenne dich, Bruder! Du hättest mich nie wiedergefunden, wäre sie nicht in mein Leben getreten. – Nicht um mich – – nein um ihretwillen fand ich die Kraft, dich zu rufen...“

„Sie liebt mich nicht mehr,“ wendete er ein.

„Ach du! Ihre Liebe ist so stark, daß sie sich vor ihr fürchtet. Darum wird sie es auch vielleicht tun.“

„Wovon sprichst du?“

„Ich habe mit eigenen Ohren gehört, wie ein Verwandter von ihr – ein Majoratsherr – der denselben Namen wie sie führt, um sie geworben hat.“

„Und sie...? Ist sie schon seine Braut?“