„Tut sie das, Frau Präsident, will ich ihr nach bestem Wissen raten und helfen. Darauf mein Wort.“
„Das genügt mir. Ich danke Ihnen innig, Herr Amtsrat, und jetzt lassen Sie uns ein Glas jenes alten schweren Weines zusammen trinken, dessen letzte Flasche seit einem viertel Jahrhundert auf einen würdigen Augenblick im Keller wartet.“
Hell war auch der neue Tag und voll goldenen Lichtes. Eva von Ostried stand unter einem besonders gesegneten Apfelbaum. Ein Stückchen blauen Himmels und die begrenzte Ferne drängte sich durch das Gewirr der Zweige und Früchte. Stolze Träume schoben ihr jedes Hindernis fort. Sie fühlte sich frei wie nie zuvor, trotzdem ihr nichts geschehen war, als daß sich heute ihr einundzwanzigstes Lebensjahr vollendete. Der kommenden, ernsten Arbeit gedachte sie freilich auch. Mehr aber des andern, nach dem sie sich unaussprechlich sehnte.
Reich – angebetet – beneidet zu werden, war ihr Streben. Von jeher haßte sie dies Einschränken und Sorgenmüssen. Der Traum ungezählter Tage, das bewußte und unbewußte Sehnen nächtlicher Träume, gilt dem Glanz einer sorglos heiteren Zukunft. Erst, nach dem großherzigen Versprechen der Präsidentin erkannte sie schaudernd, daß ihr Leben verfehlt und zerbrochen gewesen wäre, hätte die gütige Frau ihre Zukunftswege nicht zu ebnen versprochen.
Bei dem bloßen Gedanken an diese Möglichkeit schüttelte sie wiederum ein Grauen. Vielleicht hätte sie dann, gezwungen von ihrer Sehnsucht, den Versuch gemacht, um jeden Preis die fehlenden Mittel selbst zu beschaffen. So aber war es schöner und bequemer!
Sie nickte der Sonne zu und jauchzte hell auf – streckte die Arme und griff spielerisch nach den blendenden Kreisen.
„Der Ruhm soll mir beide Hände mit Gold füllen.“
Von der Veranda her ertönte ihr Name. Ungeduldig winkte ihr die Präsidentin.
„Wo bleiben Sie, Eva?“