Da flogen die Träume von dannen. Was aber blieb, war noch köstlich genug. Gaben – Freundlichkeit – und Ermahnungen. Auch diese! Eva von Ostried hörte scheinbar aufmerksam zu, als ihr Frau Melchers vom alten Amtsrat Wullenweber und allem, was zwischen ihnen gesprochen war, sagte. Im Stillen dachte sie:
„Ehe ich mich jemals an den engherzigen, mürrischen Nachbar wende, würde ich lieber hungern.“
Daß dies Schreckliche in Wahrheit eintreten könnte, erschien ihr freilich undenkbar.
Als sie das Erbe der Mutter empfing, mußte sie weinen.
Es war ja so unendlich wenig. Ihr Vater hatte oft mehr als das Dreifache in einer Nacht im Spiele verloren. Aber es rührte sie! Die verblaßten Erinnerungen füllten sich mit lebendigen Farben. –
Ihre feine, kleine, stille, zarte Mutter! – Wie sie Paul Karlsen in der Dunkelheit des gemeinsamen Warteraums an sich gerissen, hatte sie ihrer plötzlich gedenken müssen – sie um Hilfe anflehend. – Den Vater hatte sie damals vergessen. Der war ja auch nur für die lustigen Stunden dagewesen. – Sie hielt das Geld traumverloren fest und sah unverwandt darauf nieder.
„Was gedenken Sie damit zu beginnen, Eva,“ forschte die Präsidentin neugierig. „Am besten tragen Sie es noch heute auf die Bank.“
„Ich gebe es nicht fort,“ sagte Eva hastig. „In meinem Schmuckkasten, der leider nichts birgt, als die kleine goldene Brosche von Ihnen, wird es liegen und geduldig warten.“
„Worauf denn, Kind?“
„Daß ich es in etwas Wunderschönes umsetze. Ich weiß auch schon, worin. Zum Beispiel einen Teil in den entzückenden Hut mit dem Reiher, von dem uns neulich die Verkäuferin sagte, daß ihn getrost eine regierende Fürstin tragen könne.“