„Verlangst du wirklich eine?“
„Eva,“ stöhnte er, „laß es genug der Folter sein. Ich bitte dich nach diesem nicht mehr!“
Sanft streichelte sie die gefalteten Hände der Toten. Und es war, als bringe ihr die eisige Kühle die Besinnung zurück – – als sei sie nun gegen alle Sehnsucht gefeit.
„Ich kann nicht,“ gestand sie leise, „und wenn ich mich halbtot quälen würde.“
„Quälen sollst du dich nicht. Nein – das hast du nicht um uns verdient.“ Es klang hart und fest. „Du hast uns genug geopfert. – Noch heute Abend werde ich meine kleine Schwester zu mir holen. Verzeih dies Letzte. Ich muß dich solange aus deiner eigenen Wohnung vertreiben. Danach aber – ich hoffe gegen zehn Uhr – ist jede Spur von uns verwischt.“
Sie fühlte mit kaltem Schrecken, wie sie zu taumeln begann. Wenn er sie jetzt noch einmal ansehen würde – – Seine Augen mieden ihr Gesicht, während er, nach kurzer Pause, wieder zu sprechen begann.
„Du hast mir am Schluß deines letzten Briefes etwas schreiben können, was ich lange nicht begriffen habe. Vielleicht hast du es wirklich so gemeint. Daß ich glücklich werden soll ohne dich. Jetzt beginne ich deinen Wunsch zu begreifen. Du wirst und willst ohne mich glücklich werden. Das weiß ich nun – –“
Sie widersprach ihm nicht. Einen Herzschlag lang wartete er darauf. – „Lebe wohl, Eva.“
Hatte sie den gleichen Abschiedsgruß für ihn gehabt? Mit vorgeneigtem Oberkörper stand sie und lauschte, wie sein Schritt auf dem teppichlosen Stückchen Parkett zwischen Sterbezimmer und Musikraum hörbar wurde – – wie er über den langen Korridor tappte – die Hand auf den Drücker schlug, der stets ein wenig schwer gehorchte und die Tür hinter sich zuklappte.
Dann erst brach sie mit einem wilden verzweifelten Aufschrei, der nichts als unsterbliche, ewige Liebe nach ihm war, in die Kniee.