Major a. D. Wullenweber hatte nicht zur Bestattung seiner Tochter kommen können. Noch bevor der Eilbrief seines Sohnes in Hohen-Klitzig angekommen war, packte ihn ein neuer Schlaganfall. Lebensgefahr bestand auch diesmal nach dem Urteil des Arztes nicht. Immerhin war die größte Schonung und Ruhe erforderlich. Der Amtsrat verschwieg ihm daher den Inhalt des zur Vorbereitung des Vaters an seine Adresse gerichteten Briefes. So lag der Kranke – ahnungslos – mit leise röchelndem Atem, ohne zu ahnen, daß in derselben Stunde, in welcher er nach drei Tagen wieder mit Genuß einer schmackhaften Suppe zusprach, seine kleine Lieselott an der Seite ihrer Mutter zur letzten Ruhe gebettet wurde.
Die alte Pauline war von Walter Wullenweber so weit ins Vertrauen gezogen, wie es sich um das traurige Geheimnis seiner kleinen Schwester handelte. Mehr hatte er ihr auch nicht sagen wollen! Und sprach ihr dann, als alles vorüber war, doch davon, daß er Eva von Ostried liebte und sie, nach kurzem unaussprechlichen Glück, verlieren mußte.
„Sie dürfen morgen nun doch nicht zum Geburtstag Ihrer Frau Präsidentin heraus,“ sagte er am dritten Abend nach der Beisetzung.
„Warum denn nicht, Herr Rechtsanwalt?“
„Weil Sie von rechtswegen längst ins Bett gehören...“
„Da halte ich es gar nicht aus. Mir ist, als müßte ich laufen und immer blos laufen, um einzuholen, was mir sonst wegflitzt.“
„Ich habe einen schönen großen Kranz bestellt, Pauline. Lauter tiefrote Astern, von denen Sie mir mal sagten, daß sie Frau Präsidentin von allen Blumen am liebsten hatte,“ versuchte er sie zu beruhigen.
„Wie gut Sie sind,“ dankte sie gerührt.