„Gut?!“ lachte er gerührt auf. „Sie dürften eigentlich sowas nicht sagen. Versprechen Sie mir jetzt feierlich, daß Sie sich mit meinem Vorschlag einverstanden erklären.“

„Was soll ich denn, Herr Rechtsanwalt?“

„Morgen brav daheimbleiben und hier den Tag im Gedächtnis an Ihre Frau Präsidentin verbringen. Den schönen Kranz trage ich ihr selbst ans Grab. Es macht mir nichts aus...“

Sie wurde rot wie ein junges Mädchen, das eine Not nicht länger verbergen kann. „Und wenn Sie mich festbänden, bliebe ich nicht zu Hause. So gut Sie es wieder mal meinen. Das geht nicht. Wie eine Meineidige käme ich mir vor. Ich hab’ ihr in die Hand versprochen, daß ich jedes Jahr, solange ich am Leben bin, ihr Grab an dem Tage schmücken wollt’, denn sie konnte keine Unordnung leiden. Und wenn ich mir gleich den Tod holen müßt’ – jawohl... hin würde ich doch machen.“

Da sagte er kein weiteres Wort dagegen, sondern ließ sie gewähren, als sie am nächsten Tage in dem feierlichen Schwarzseidenen, mit dem Kranz auf dem Arm vor ihm stand und leise und beschämt wegen ihres Ungehorsams um Entschuldigung bat. –

Walter Wullenweber hielt sich mit eisernem Willen aufrecht. Seine stark entwickelte Pflichttreue, die unermüdlich die angehäufte Arbeit abtrug, unterstützte ihn. Nur in den kurz bemessenen Freistunden gab er sich seinen trostlosen Gedanken hin.

Ob sie ihn wirklich nicht mehr liebte? Tagelang hatte er es als sicher angenommen. Wie durch ein aufregendes Ereignis Gesicht und Gehör verloren gehen konnten, mochte auch wohl ihre Liebe dieser Erschütterung nicht standgehalten haben. Jetzt begann er ihre Scham und ihren Stolz richtig einzuschätzen. Begriff, so sehr es auch gegen das starre Gesetz ging, daß eine nachträglich aufgefundene Bestimmung der Präsidentin zu ihren Gunsten die Last der Tat von ihr abgewälzt hätte.

Damit ward ihm auch das Andere klar. Daß sie mit diesem Augenblick wieder sein und diesmal auf ewig gewesen wäre. Nun dies unmöglich geworden war, hatte er keinen Anteil mehr an ihr! Er hatte den Kopf auf die Platte des Schreibtisches gelegt und litt weit über alle Kraft unter der Unmöglichkeit, dies jemals zu ändern – mdash; –

Das ungestüme Aufreißen der Korridortür, ihr heftiges Zuschlagen, das Hereinstürzen der feierlich angetanen, alten Pauline, ließ ihn erschrocken emporfahren. Selbst nach dem Brande war sie nicht so fassungslos erschienen. Sie stand vor ihm, wie er sie noch nie gesehen hatte. Ihre welken Lippen zittern.

Augenscheinlich wollte sie etwas berichten und brachte doch nichts heraus, als ein Aufschluchzen der Freude!