„Das habe ich in der Tasche von unserer Frau Präsidentin Schwarzseidenem gefunden,“ konnte sie endlich herausbringen.
Er las den Inhalt des gelblich gewordenen Zettels. Ihn voll zu begreifen, war ihm noch versagt. Es war zu neu, zu gewaltig und zu schön. Als er sich endlich dazu zwingen konnte und sich auch überzeugte, daß Unterschrift und Datum diesen Zeilen volle Gültigkeit verliehen, steckte er ihn zu sich und sprang auf.
Bescheiden, auch jetzt noch, wartete die alte Pauline auf das erste seiner Worte.
Er preßte nur stumm ihre Hände zwischen den seinen, sodaß sie Mühe hatte, einen Aufschrei zu unterdrücken und stürzte fort – – –
Mit stillem Lächeln sah sie ihm nach. Ihr war nicht verborgen, wohin ihn jetzt sein Weg führen mußte.
Seit zwei Tagen weilte Eva von Ostried wieder in ihrem Heim. Es kam ihr grenzenlos öde vor. Der jubelnde Beifall, der ihr ebenso in Dresden wie in Weimar geworden, lag weit hinter ihr. Ihr Blick galt der Zukunft. Morgen in der Frühe würde sie den Vertrag unterzeichnen, der sie auf die Dauer von drei Monaten in die verschiedensten Großstädte führen sollte. Und dann – –
Ja – dann kam endlich doch wohl noch alles, wie sie es einst so heiß gewünscht und nun längst nicht mehr erstrebt hatte – – –.
Wahrscheinlich zum kommenden Herbst würde sie einer schon jetzt ergangenen dringenden Einladung des Dresdner Intendanten folgend, dort auf Engagement singen.
Sie kämpfte nicht mehr. Alles schien überwunden zu sein. Das einzige Gefühl, dessen sie sich für fähig hielt, bestand in einem brennenden Neid auf die Tote.