– – – Gehorsam blickte sie auf ein beschriebenes Blatt nieder, das er vor sie hingelegt hatte, als sie sich im Musikzimmer gegenüberstanden.
„Ich kann nicht,“ flüsterte sie, als sie die Handschrift sah. Da las ihr Walter Wullenweber vor:
Nach einem Anfall großer Herzschwäche, den ich zwar überwunden habe, dessen Wiederkehr ich aber fühle, bestimme ich hiermit als Nachtrag zu meinem bereits gemachten Testament, daß meine geliebte Pflegetochter Eva von Ostried bei meinem Ableben Einhundertundfünfzigtausend Mark durch Herrn Justizrat Weißgerber ausgezahlt erhalten soll. Und zwar ist diese Summe von derjenigen für die Stiftungen festgelegten abzuziehen. An den ausgesetzten Legaten soll nichts geändert werden. Meine treuesten Grüße gehören meiner lieben Eva.
Zur Zeit Belgard a. d. Persante, Hinterpommern, im Wartesaal der 2. Klasse, den 24. August 1918.
Frau Präsident Hanna Melchers.
Als Walter Wullenweber zu Ende gelesen hatte, sah er sie an. Und sah, daß sie ihre Hände, wie bittend, zu ihm erhoben hatte. Nun lag sie an seinem Herzen.
„Eva – jetzt – bleibst du mein?“
„Ja,“ flüsterte sie, „dein, nur dein!“
Er ließ den Brief der kleinen toten Schwester in ihren Schoß gleiten, während er sie küßte.
„Den mußt du selbst lesen.“