„Ich glaube, Sie haben mich mißverstanden, Eva. Ich denke diesmal allein zu reisen. Sie werden daheim bleiben.“
Das schöne, junge Gesicht wurde blaß vor Schreck.
„Sind Sie unzufrieden mit mir? War ich auf der letzten Reise nicht liebevoll und aufmerksam genug? O, ich fühle es. Die unglückliche Theatergeschichte trägt die Schuld daran.“
„Nein, mein Kind, die hat gar nichts mit meinem heutigen Entschluß zu schaffen. Ich war voll zufrieden mit Ihnen. Die kleine Episode, mit der mich allerdings betrübenden Heimlichkeit, kann nichts daran ändern. Der Grund ist ein anderer. Das Heim meiner alten Freundin ist eng und mehr als bescheiden. Nun bereits eine Pflegerin darin nächtigt und ich mich demnächst auch noch dazu finde, würde für Sie kaum ein Plätzchen bleiben. Und im Hotel? – Ja, dann hätte ich wiederum nicht viel von Ihnen und meine gute, sorgsame Maria würde sich dauernd aufregen, weil sie so beschränkt in der Ausübung ihrer Gastfreundschaft sein muß. Nein – nein. Diese Unruhe müssen wir ihr ersparen. Erinnere ich mich recht, habe ich unterwegs irgendwo einen längeren Aufenthalt. Das stelle ich sogleich fest. – Jedenfalls Zeit genügend, Ihnen ein Kärtchen zu schreiben, Aufzeichnungen, wie ich das auf jeder Reise zu tun liebe, zu machen und beschaulich die verschiedenen Tageszeitungen zu lesen.“
„Tun Sie es nicht! Ich flehe Sie an,“ bettelte Eva von Ostried.
„Diesmal bleibe ich fest. Sparen Sie jedes Wort. Eine freudige Sicherheit wie ich sie lange nicht mehr empfand, sagt mir, daß ich recht handle. Geht es mir trotzdem schlecht – fühle ich mich ohne Ihre kleinen Hilfeleistungen, an welche ich mich allerdings gewöhnt habe, zu matt, werde ich Sie umgehend telegraphisch rufen. Das verspreche ich Ihnen.“
Noch einmal machte Eva den Versuch zur Umstimmung.
„Wenn Sie mir nur erlauben, daß ich Sie bis zu Ihrem Ziel begleite. Ich könnte sofort mit dem nächstmöglichen Zuge zurückreisen.“
„Wie hilflos und hinfällig muß ich Ihnen erscheinen. Nein und zum letzten Mal, nein, Eva. Sie bleiben hier, helfen der guten Pauline beim Einlegen der Früchte – schreiben mir fleißig und singen und studieren in der übrigen Zeit nach Herzenslust.“