„Ich lasse keinen rein, Fräuleinchen; es sei denn der Geldbriefträger.“

Es war aber nur ein einfach aussehender älterer Mann in der Tracht eines schlichten Bauern. Anfangs begriff er nicht, daß es Leute geben sollte, die einem Unbescholtenen den Eintritt verwehrten. Als sich aber die Pforte durchaus nicht vor ihm öffnen wollte, wurde er zornig.

„Denken Sie vielleicht, ich wäre eigens aus dem Oderbruch hergekommen, um mich von Ihnen wieder wegschicken zu lassen, als wollte ich betteln.“

Die alte Pauline suchte ihn zu besänftigen.

„Nehmen Sie doch endlich Vernunft an. Ich sage Ihnen zum letzten Mal, es geht eben heute nicht. Unsere Frau Präsidentin will gleich verreisen. Eigentlich darf sie gar nicht, weil ihr Herz nicht in Ordnung ist. Darum muß sie wenigstens, bis der Wagen kommt, ganz still liegen.“

„Das kann sie meinetwegen ja auch,“ murrte der Bauer. „Wenn Sie denken, daß ich sie aufregen tue, irren Sie. Was ich von ihr will, macht bloß Freude.“

„Warten Sie einen Augenblick,“ meinte Pauline, durch sein zähes Ausharren unschlüssig geworden, „ich rufe mal schnell das Fräulein heraus. Die wird Ihnen das alles besser klar machen.“

Eva bemühte sich trotz ihrer ärgerlichen Ungeduld, die sich beim Anblick des Hartnäckigen steigerte, möglichst sanft zu sein.

„Wirklich, lieber Mann, es geht nicht. Kommen Sie nach ein paar Wochen wieder oder – schreiben Sie an Frau Präsident, wenn Sie mich durchaus nicht in Ihre Angelegenheit einweihen wollen.“

„Schreiben – schreiben,“ echoete der Bauer. „Wenn ich hätt’ schreiben wollen, wäre ich erst gar nicht hergekommen. Ich befaß mich aber mit solchen neuen Moden nicht gern. Von Mund zu Mund – von Hand zu Hand – ist alles sicherer. Als ich vor zehn Jahren Frau Präsidentin unter meinem Dach hatte, haben wir auch nichts Schriftliches zusammen aufgesetzt. Sie hat zu mir gesagt: Sie sind ein rechtschaffener Mann. Ich hab’ Vertrauen zu Ihnen. Und hier ist das Geld –“