Er zog umständlich eine dicke Brieftasche hervor.
„Als es mir damals so schlecht ging, weil uns die beiden Staatskühe fielen und der Nachbar mich mit dem Wechsel betrogen hatte, wollte ich mich aus der Welt machen.“ Die Präsidentin legte die Finger an die Lippen.
„Nicht mehr dran rühren, Kleinschmidt. Es ist ja alles wieder gut geworden.“
„Ist es auch! Ich hab’ mich langsam rausgebuddelt, weil es eben doch noch einen guten Menschen gegeben hat, woran ich nicht mehr glauben wollte.“
„Es gibt deren Viele,“ versuchte sie ihn abzulenken, aber er beharrte eigensinnig bei seinem Thema.
„Nee – bloß einen. Dabei bleib’ ich. Jede andere feine Dame hätt’ sich wohl halb zu Tode geschrien, als sie sah, daß sich ein alter Nichtsnutz, bei dem der blaue Vogel überall hinflog, das Leben nehmen wollt’. Zum mindesten wäre sie bestimmt auf die Dorfstraße gelaufen und hätt’s bekannt getan. – Sie haben bloß still meine Hände gestreichelt und geweint. Und sind die ganze Nacht bei mir geblieben und haben immer getröstet. – Und am nächsten Morgen nahmen Sie ein Buch aus der Tasche und fragten, wieviel ich nötig hätt’.“
„Hören Sie auf, Kleinschmidt. Es peinigt mich wirklich.“
„Sie sagten ja, Sie wären Geduld gewöhnt, Frau Präsident. Ich muß Ihnen das mal so richtig klar machen, – Sie haben mir viel Geld gegeben und kannten mich doch bloß als einen, der ein luftiges Zimmer für – weiß Gott, genug Geld an Sie abvermietet hatt’. – Das hat mir erst richtig das Leben gerettet. Nun konnt’ ich mich nicht mehr wegstehlen. – Sie mußten Ihr Geld zurückhaben. Und hier ist es! – Auf Heller und Pfennig. Die letzten Zinsen sind auch beigepackt.“
Umständlich begann er die zerknitterten Scheine auf den Tisch zu zählen. Sie machte eine entsetzte Bewegung.