„Wo soll ich jetzt mit dieser Summe bleiben? Sie sehen, ich stehe im Begriff, eine Reise anzutreten. Mitnehmen mag ich sie nicht. Sie daheim im Schreibtisch zu belassen, ist mir zu ängstlich, wennschon ich bisher vor Dieben bewahrt geblieben bin.“

Er wußte ihr keinen Rat. Es blieb ihm unverständlich, daß bares, gutes Geld unwillkommen sein konnte.

„Nehmen Sie es wieder mit, Kleinschmidt, und bringen oder schicken Sie es mir per Post ein paar Monate später. Selbstverständlich berechne ich Ihnen für diese Zeit keine Zinsen.“

Er schüttelte energisch den Kopf.

„Nee, Frau Präsident, das mach ich nicht! Behalten Sie es man. Wer so ein schönes großes Haus besitzt, hat auch Keller und Schlupfwinkel, wo es vor dem lichtscheuen Gesindel sicher liegt.“

Er lächelte schlau. Sie erkannte, daß es zu viel Zeit nehmen würde, um ihn zu überzeugen und begann mechanisch die Scheine nachzuzählen.

„Es stimmt natürlich,“ sagte sie. „Zwölftausend Mark und zweihundertvierzig als halbjährige Zinsen. Wissen Sie, dies Geld schwebt eigentlich gänzlich in der Luft. Ich habe es nicht mal ordnungsmäßig gebucht. Wären Sie, trotz Ihres mir bekannt gewordenen Fleißes nicht in die Lage gekommen, es zurückzuzahlen, hätte ich es Ihnen einfach geschenkt.“

In sein verwittertes Gesicht stieg die Röte der Scham.

„Schenken mag wohl leicht sein, Frau Präsident. Das Nehmen ist ein sauer Ding. Ich wär’ mein Leben nicht mehr froh geworden. – Die Tochter hat auch gesagt: „Vater, wir wollen uns ran halten, daß der Tisch klar wird.“ Sie wissen wohl, ihr geht es gut. Der Mann ist nüchtern und flink und die vier Kinder tun schon manchen Handschlag in der Wirtschaft. – Nun will ich aber nicht länger aufhalten.“