Kaum hatte er durch ein Nicken zu verstehen gegeben, daß die eigentliche Stunde zu Ende sei, als sie ihn auch schon – mit gänzlich verändertem Ausdruck – an die Erfüllung seines Versprechens mahnte.
„Das verheißene Reden über meine Bitte schenke ich Ihnen, Meister,“ sagte sie und lächelte schalkhaft.
Er sang ihr wirklich die nachträgliche Festgabe!
Sie hockte in einem Winkel und hatte den Kopf auf die verschränkten Arme gelegt, damit er nicht die Tränen sehen sollte, welche ihr das höchste Gefühl der Andacht erpreßte. Er sah sie aber dennoch und freute sich auch dessen. – Sie wußte nicht, wie lange dies Weihespiel gewährt hatte. Die strahlende Sonne war blaß geworden. Ein leichter Dunst von Müdigkeit ließ die leuchtenden Farben des Herbstes matter erscheinen.
Wie ein reichgewesenes, nunmehr erfülltes Leben wartete dieser Tag seinem Sterben entgegen. Es war still zwischen ihnen geworden. Sie kam aus ihrem Winkel heraus, setzte sich stumm an den Platz, den er soeben verlassen und sang ihm den Dank.
Ich will wiegen Dich, ich will wachen....
Knabe saß auf der Mutter Schoß
Spielten zusammen, bis er groß....
Lebenserfüllung auch hier! Das Lied der Solveig, das einen wandermüden Sturmgesellen endlich erlöst!
Der Meister regte sich nicht. Sterbensfrieden segnete Raum und Zeit.