„Ja – das bin ich voll und ganz!“

„Wie grausam ist auch dies. Das Leben lassen und alle Schuld – zusammengedrängt – in letzter Stunde empfinden und bereuen zu müssen,“ sagte sie schaudernd und dachte dabei wiederum an ihren Vater, dessen Qual nicht zu Ende hatte kommen können.

Er zuckte mitleidslos die Schultern.

„Einmal rächt sich eben alles! – Das ist der Trost von uns Juristen, wenn wir lediglich mit dem Beweis unserer starken Ueberzeugung belasten können. – Nun muß ich aber zu meiner Arbeit. Mein Bürovorsteher ist verzweifelt. Stöße von Akten warten auf mich.“

Sie hielt ihn nicht zurück, obgleich ihr schwere Fragen auf den Lippen brannten. An der Schwelle wandte er noch einmal den Kopf nach ihr.

„Sie hatte mich schon vor Jahresfrist gebeten, nach ihrem Tode möglichst unverzüglich den Antrag auf Eröffnung ihres Testaments zu stellen. Ich habe es also bereits veranlaßt. In ein paar Tagen hoffe ich, wird auch Ihnen Nachricht zugehen.“

„Fräulein von Ostried, ich weiß nichts näheres, als daß sie sich mit der Absicht getragen hat, Ihnen in jeder Beziehung die Wege zu ebnen. Vielleicht wollte sie es mit mir an Ihrem letzten Geburtstag durchsprechen. Vielleicht erschien es so einfach, daß sie hierfür meinen Rat nicht brauchte. – Jedenfalls – machen Sie sich keinerlei Zukunftssorgen. Nicht wahr, Sie werden dann doch sofort mit aller Kraft Ihre Studien fortsetzen?“

„Ja, Herr Justizrat, das beabsichtige ich zu tun – denn auch mir hat sie in Oeynhausen von dieser Absicht gesagt.“

„Wohin Sie sich zunächst wenden – ob Sie, einer Bestimmung gemäß, noch in diesem Haus bleiben oder ob sie andere Wünsche gehabt hat – nun, wir werden ja bald alles hören. – Jedenfalls schon heute das eine, jederzeit bin ich für Sie da. Ich weiß, wie nahe Sie ihr standen.“ Und Eva von Ostried empfand es als ein unsagbares Glück, daß sie diese edle, gütige Frau wie eine Tochter geliebt hatte. – –