Vier Tage später kam die alte Pauline mit einem geöffneten Schreiben zu Eva von Ostried. Ihr Gesicht zeigte einen hilflosen und verlegenen Ausdruck, als sie ihr den großen Bogen hinreichte.

„Bitte, lesen Sie sich das auch mal durch. Ich versteh’s nicht ordentlich. Damit muß doch eine andere als ich gemeint sein.“

Eva tat ihr den Gefallen und nickte ihr am Schluß freundlich zu.

„Es stimmt alles, Pauline. Sie sind nun reich!“

Da begann das alte Mädchen bitterlich zu weinen. Und unter Tränen stieß sie heraus:

„Mir ist so angst. – Nein, nein, Fräuleinchen – ich glaube nicht –“

„Ich will es Ihnen langsam vorlesen, Pauline. Hören Sie zu. Dann klingt es wahrscheinlicher.“

Sie stand mit andächtig gefaltenen Händen neben Eva von Ostried.

In dem vorschriftsmäßig eröffneten Testament der verstorbenen Frau Hanna Melchers, verwitwete Landgerichtspräsident, fand sich die folgende Bestimmung, von der wir Ihnen hiermit Kenntnis geben: