„Sie müssen mir versprechen, daß Sie an der ersten Stelle Ihrer Tätigkeit meiner in warmer Fürsprache gedenken,“ bat er mit knabenhafter Frische und hielt ihr die Rechte hin. „Schlagen Sie ein, Fräulein von Ostried.“
Es klang respektvoll und freundschaftlich. Der Ton tat ihr wohl. Ihre Ehrlichkeit litt indes kein weiteres Versteckspiel. Ihr Herz, das sich gerade hatte beruhigen wollen, begann wieder wie rasend zu pochen. Ihre Augen füllten sich mit Tränen, so sehr sie auch dagegen kämpfen mochte. Das stellte er mit stürmischer Freude fest. Ganz zart bemächtigte er sich von neuem ihrer Hände:
„Sie können mir vertrauen. Wirklich – Herrgott – wer machte mal keine Dummheit – Ihre Schönheit hatte mich einfach kopflos gemacht – nein – es war doch wohl mehr die grenzenlose Bewunderung Ihres herrlichen Talents. Vergeben Sie mir, Eva. Sehen Sie in mir einen Freund und Bruder –“
Da sagte sie ihm alles!
Er bedauerte sie nicht, als sie zu Ende gekommen war, trotzdem er sie „armes Hascherl“ nannte. Es klang vielmehr aus den Worten ein schelmisches Lachen, weil er dem traurigen Zufall die Rechnung verderben wollte.
„Das ist wahrhaftig keine Kopfhängerei wert! Wozu wäre ich Ihnen denn sonst heute in den Weg gelaufen? – Sie dachten auch nur einen Augenblick ernstlich daran, der Musik zu entsagen? Ja, wissen Sie denn nicht, daß Sie damit die größeste Sünde begingen. – Und – sündigen dürfen Sie nicht! – Herrgott, Mädel, was haben Sie für Gold in der Kehle. Darauf pumpt Ihnen jeder gerissene Geschäftsmann, so viel Sie wollen.“
Sie mußte, angesteckt durch seine hinreißende Zuversicht, lächeln.
„Meine alten Gönner und Lehrer leiden an dem nämlichen Uebel, wie ich selbst,“ sagte sie bitter und dachte in erster Linie an Ralf Kurtzig.
„Und die jungen,“ fragte er und suchte ihren Blick. Sie wollte sich nicht empfindlich zeigen und konnte doch nicht hindern, daß eine glühende Röte ihr Gesicht überzog. Er betrachtete sie mit den Augen des Künstlers, der sich an jeder gelungenen Schöpfung freut. – Als sie jetzt mit der ihm nur zu wohlbekannten Bewegung der Unnahbarkeit den Kopf zurückwarf, reizte sie – wie einst – sein Mannesempfinden. Der Wunsch, ihre stolze, schlanke Gestalt an sich zu pressen – den roten, lockenden Mund mit glühenden Küssen zu bedecken, verlangte genau so ungestüm wie nach dem Zusammenspiel seine Erfüllung.