„Merken Sie das endlich? Ich habe bereits einen Plan. Wir besteigen die nächste elektrische Bahn und fahren gemeinsam zu – nun – nennen wir ihn meinetwegen Herrn Freundlich! Der Mann ist bis zu einem gewissen Grade gefällig und auch beinahe ehrlich, wenn man seine Schliche so lange und genau kennt, wie ich. – Mir hat er jedenfalls vor Jahren rührend geholfen. Freilich,“ und sein Gesicht nahm einen zerknirschten Ausdruck an, „ein bißchen hänge ich – aus purer Vergeßlichkeit – immer noch bei ihm. Wirklich nur deshalb. Meine Goldader hätte ihn längst befriedigen können. – Also – wollen Sie?“
Sie zögerte noch. Die Hoffnung durchleuchtete aber schon das kurze Zaudern.
„Er kennt mich doch nicht?“
„Darum verbürge ich mich eben für Sie! Mich kennt er und weiß genau, was ich kann und noch leisten werde. – Passen Sie auf, wir schaffen es mit Leichtigkeit. Ein paar tausend Mark gewährt er unter durchaus annehmbaren Bedingungen zweifellos.“
Sie folgte ihm willenlos, als er in eine Seitenstraße einbog und zu einer Haltestelle herüberquerte.
Sie saßen Seite an Seite auf dem schadhaften Tuch der schmalen Sitzbank und schwiegen. Das Hoffen, das Eva von Ostried für alle Zeit eingesargt zu haben meinte, trieb grüne Keime. – –
Herr Freundlich bewohnte ein düsteres, etwas feuchtes Kellergelaß und war sehr unfreundlich. Ueber seiner scharfgebogenen Nase spähten zwei kleine stechende Augen in Karlsens schönes, leichtsinniges Gesicht.
„Wie werde ich Sie nicht wiederkennen, Herr Karlsen,“ unterbrach er ihn mürrisch, „Sie stehen ja noch mit achtzig Mark und fünfzig Pfennig zu Buch.“
„Sie irren, Bester, es können unmöglich mehr als dreißig Mark sein.“
„Fangen Sie nicht schon wieder an zu handeln. Ich sage Ihnen, daß es sogar neunzig sind, wie mir eben einfällt.“