Kam ein armes Kind von fern
Zigeuner brachten es eben
Traurig bleich... seine Glieder beben....
Das riß die Geduld der Gütigen.
„Beeilen Sie sich, Eva,“ sagte sie streng und kurz, „oder ich werde, so matt ich mich gerade heute auch fühle, der ärztlichen Vorschrift entgegen, aussteigen und versuchen, im Laufschritt noch pünktlich zu Tisch zu erscheinen.“ In dem nämlichen Augenblick erwachte Eva von Ostried zur Wirklichkeit. Sie erblaßte und in ihre Augen kam der Ausdruck einer großen Hilflosigkeit.
„Das werden Sie mir nicht antun,“ schmeichelte sie. „Schelten Sie tüchtig.. aber sprechen Sie nicht in diesem unerträglich kühlen Ton zu mir, wenn ich ihn auch verdient habe.. Gewiß – ich vergaß meine Pflicht. Sobald Sie die Ursache erfahren, werden Sie mich begreifen..“
„Sie können mir später berichten. Jetzt.. vorwärts, Eva.“
Der geräumige Speisesaal, in welchen die Beiden, heute als letzte Mittagsgäste, eintraten, war fast zu sehr besetzt. Alle Plätze ohne Rücksicht auf die Wohlbeleibten, erschienen gleich schmal, sodaß der Hüne unter den Anwesenden, ein alter früherer Oberst der Garde, vor seinem gefüllten Teller in zorniger Ungeduld des Augenblickes wartete, in dem sich seine rechte Nachbarin, einstweilen befriedigt, zurücklehnte. Zu seiner Linken nahm Eva von Ostried Platz. Das milderte seinen Zorn. Obwohl er unvermählt geblieben, schätzte er Frauenschönheit über allem Andern.
Als Eva nicht wie sonst auf seine neckenden Fragen in dem gleichen Ton antwortete, neigte er den mächtigen Kopf ein wenig zur Seite und sah sie mit schlauem, verständnisvollen Blinzeln an: