„Du im Besonderen bist das bescheidenste und leiseste Wesen, das es geben kann. Im allgemeinen freilich wäre ich gerade jetzt für eine kurze Zeit nicht eben ungern solo.“ Sie sah entsetzt zu ihm auf.

„Soll das heißen!“ Sie konnte nicht vollenden. Ihre Stimme erstickte in Tränen. Er schüttelte sich, als fröre er.

„Tu mir den einzigen Gefallen und höre mit dem Weinen auf, Elfriede. Ich komme mir ja andauernd wie ein Barbar vor. Nein, nicht du sollst für wenige Tage deine zur Zeit kränkelnde Mutter, eine Straße weiter, besuchen und sie dadurch halb unsinnig vor Freude machen – welchen Wunsch sie mir schon vor einer Woche, allerdings mit der Bitte, ihn dir vorläufig zu verheimlichen, verraten hat – sondern ich werde zu meinem Lehrer unter den blendenden Dachgarten ziehen. Denn, weißt du, kleine Frau, ich muß üben und immer nur üben – kann mich nicht mehr an eine feste Tischzeit binden – vertrage überhaupt zu solchen Zeiten vorübergehend keine andere Gesellschaft als eine männliche.“

Sie legte die Hand auf seinen Arm.

„Paulchen, schenk mirs zum heutigen Tag, daß ich in mein altes Mädchenstübchen zur Mutter darf. Du mußt deine Bequemlichkeit gerade jetzt haben.“

„Das würde eine schöne Geschichte geben, mein liebes Kind! Deine Mutter würde plötzlich vergessen, wie sehr sie sich nach dir gesehnt und felsenfest glauben, ich behandele dich schlecht und lieblos. Denn sieh mal, immerhin bleibt es etwas wunderbar, wenn eine junge, liebliche Frau nach einmonatlicher Ehe ihren Ehemann – wenn auch nur vorübergehend – verläßt.“ Der letzte Satz gab ihr eine ungeheure Kraft.

„Glaubst du wirklich, Paulchen, daß ich der Mutter meinen Besuch in diesem Lichte hinstellen würde?“

„Na, na, Kleines – wer kennt sich mit euch Frauen aus? In gewissem Sinne ähnelt ihr euch alle verteufelt.“

Sie widersprach mit jähaufflackerndem Rot.

„Hast du schon vergessen, was ich dir in der grünen Einsamkeit des Siels am Karpfenteich gelobt habe?“ Natürlich hatte er nicht die geringste Ahnung. Aber er hütete sich es einzugestehen.