Trotz dieser ungewohnten Fügsamkeit fand seine Gegenwart durch die Kommerzienrätin nicht viel Beachtung. Ueber ihn fort sprach sie unaufhörlich zu ihrer Tochter herüber, als befinde sich zu ihrer Linken ein leerer Platz.
„Du wirst übrigens ein oder mehrere Tage bei mir bleiben, Elfriedchen. Ich muß endlich wissen, ob du abends erhöhte Temperatur hast. Widersprich nicht. Ich erlaube auf keinen Fall, daß du heute Abend in dein leider etwas feuchtes Heim zurückkehrst.“
Da ließ sich Karlsens unwiderstehlich frohes Lachen hören. Aber es riß die andern durchaus nicht zu der gleichen Fröhlichkeit hin. Seine Frau sah scheu zu ihrer Mutter herüber.
„Verehrte Schwiegermama, Sie scheinen vergessen zu haben, daß nur ein einziger über das Gehen und Verweilen von Elfriede zu bestimmen hat. Dieser Eine bin ich, mit Respekt zu melden.“
Diesmal ahnte sie nicht, daß er Komödie spielte. Sein Ton war sehr ernst geworden. Sein junges, bartloses Gesicht wirkte fast streng. Den lächelnden Blick des Einverständnisses, den er mit Elfriede tauschte, bemerkte sie nicht. Ihre angeborene Heftigkeit – niemals ernsthaft von ihr bekämpft – brach sich Bahn.
„Das bliebe abzuwarten, Herr Schwiegersohn,“ sagte sie in scharf zurechtweisendem Ton. „Sind Sie etwa hierher gekommen, um mich aufzuregen?“
„Ich wüßte nicht, daß ich diesem vielleicht erstrebenswerten und daher löblichen Vorsatz schon jemals freie Entwicklung gegönnt hätte.“
„Lassen Sie doch die Phrasen, Karlsen. Bei mir wirken sie nicht.“
„Diese Bitte gebe ich gehorsamst zurück, Schwiegermama. Kurz: Elfchen wird mich nach Hause begleiten. Nicht wahr, Schatz?“
Ein schelmischer Ausdruck huschte über das Gesicht der jungen Frau, und ließ es sehr anziehend erscheinen. Sie war glücklich wie ein Kind, daß sie im Einverständnis mit ihrem Mann dies unschuldige kleine Geheimnis haben durfte. Ohne zu zögern, antwortete sie: