„Ja – das werde ich bestimmt tun, Mama. Du hast doch gehört, daß Paul es ausdrücklich wünscht.“

Da richtete sich die Kommerzienrätin steif empor und fragte kurz und empört zu der Konsulin gewandt:

„Was sagen Sie dazu? – Vor Ihnen, die Sie Elfriede über die Taufe gehalten und allzeit wie ein eigenes Kind geliebt haben, brauche ich mich nicht zu genieren.“

Frau Enck war wegen der richtigen Antwort in tödlicher Verlegenheit. Einerseits schätzte sie gleichfalls diesen jungen Menschen nicht allzu sehr, weil sie in seiner Gegenwart beständig das Gefühl hatte, als langweile er sich sträflich. Daneben aber stand ihm in dieser Sache ihr Hang zur Gerechtigkeit bei.

„Beschlafen Sie sich alles noch mal gründlich,“ versuchte sie zu besänftigen. Aber es mißlang ihr gründlich.

Frau Eßling wurde erregter und daher auch in ihren Worten heftig. Sie erhob sich, trat nahe an den Schwiegersohn heran und sagte drohend:

„Sie hören, ich wünsche und befehle es. Und nichts wird mich andern Sinnes machen können.“

Nun war auch Paul Karlsen aufgestanden. Seine schlanke, elegante Gestalt überragte die rundliche der Kommerzienrätin um Haupteslänge.

„Verehrte Schwiegermama, vorerst eine kleine bescheidene Berichtigung. Ihre kühn aufgestellten Behauptungen sind wirklich falsch. Der männliche Teil in der Ehe hat auch heute noch das Recht – genau wie zu jener Zeit Ihrer Jugend – den Aufenthalt seiner Gattin zu bestimmen, sofern er sich dies Recht nicht durch grobe Pflichtverletzungen verwirkt hat. Davon weiß ich mich frei. – Ich würde Ihnen ja herzlich gern einen Gefallen tun. Mir selbst aber Opfer auferlegen – nee – wissen Sie, dazu fühle ich mich nicht stark genug.“

Es klang so überaus ehrlich, daß sogar seine Frau einen Augenblick stutzte. An dem hilflosen Blick, den sie ihm zuwarf, merkte er, daß er nicht weitergehen, nicht in dieser Rolle übertreiben dürfe. Er schwieg also vorsichtig und wartete die nächste Erwiderung ab. Sie blieb lange aus. Dann aber klang die vordem herrische Frauenstimme plötzlich um vieles leiser. Fast bittend.