Auf dem Flur daheim stand die alte Pauline und hielt eifrig Ausschau nach ihr.
„Wo bleiben Sie bloß, Fräuleinchen? Waren Sie draußen bei unserer Frau Präsident?“ Die Alte hatte rotgeweinte Augen.
„Bei unserer Frau Präsident? Nein, da war ich nicht.“ Es klang bitter.
„Kommen Sie schnell. Sie müssen ja halb verhungert sein.“
„Daran muß ich mich jetzt gewöhnen, Pauline.“
„Daß Sie damit spaßen können. Wenn Sie mich so reich bedacht hat, wie wird sie da erst für Sie gesorgt haben.“
„Glauben Sie das wirklich immer noch? Ich habe kaum zur Hälfte verdient, was ich von ihr bezog. Müßte eigentlich noch brav herauszahlen.“
Das treue Mädchen begriff nichts. Sie merkte nur, daß die junge Gestalt vor Erschöpfung schwankte und führte sie sanft in das helle Stübchen, das unordentlich und zerwühlt aussah.
„Jetzt legen Sie sich still nieder. Ich hole Ihnen einen Teller voll kräftiger Suppe. Und nachher bereden wir alles. Ich habe mir was Feines ausgedacht. Sie werden nun doch wohl ganz und gar Musikant werden wollen. Denn unsere Frau Präsident hat immer gesagt, daß es jetzt bald damit losginge. – Ich könnte mich ja aufs Altenteil setzen. Aber das verstehe ich nicht recht. Ich zieh’ lieber zu Ihnen, Fräuleinchen. Das Haus hier, hat Herr Justizrat gesagt, wird verkauft. Solange dürfen wir beide noch darin bleiben.“