„Lieber guter Gott! Nun sollen Sie hier raus? Ganz nackt und blos? und ich und die andern haben so viel!“

„Das ist nur gerecht. Sie haben sich’s verdient! –“

„Das ist Unsinn! Wir beide ziehen zusammen, wie ich schon gesagt habe. Denken Sie doch, ich soll einhundertfünfzig Mark im Monat verleben. Wie mache ich das? Ich spars doch bloß wieder zusammen und das hätte keinen Sinn und Verstand. Denn ich habe keinen auf der Welt und es würde wieder eine neue Stiftung draus. Nein, ich sorge für Sie. Und nachher, wenn Sie erst richtig ausgelernt haben und es drückt sie, geben Sie mir alles wieder. Ja? Wollen wir es so machen?“

Wer hohnlachte da? Eva von Ostried fuhr erschrocken empor. Sie hatte deutlich ein heiseres Lachen gehört.

„Ach – Pauline, ich habe nur gescherzt. Ich bin ja selbst reich. Mein früherer Vormund hat am Tage meiner Volljährigkeit der Frau Präsident in meiner Abwesenheit das Muttererbe gebracht. Gleich nachher will ich’s auf die Bank tragen. Denn es ist immer noch hier im Haus.“

Das alte Mädchen schüttelte ungläubig den Kopf.

„Das ist wahrhaftig ein verkehrter Stolz, Fräuleinchen. Damit tun Sie mir sehr weh. Sie haben nichts! Sie konnten ja früher mit mir drüber spaßen. Ehe ich’s also nicht mit meinen eigenen Augen gesehen habe, glaube ich Ihnen das nicht!“

Eva von Ostried stand plötzlich vor der alten Pauline. Sie war verändert. Ihr noch soeben farbloses Gesicht glühte, als habe sie Fieber. Krampfhaft suchte sie nach ihrer kleinen, schwarzen Handtasche.

„Um Gottes willen, wo ist sie geblieben? Ich habe sie doch noch soeben gehabt?“

„Da liegt sie ja, Fräuleinchen. Ganz sicher!“