GRÖSSERES BILD

ANTIKE GLASARBEITEN.

Erster Schrank an der Schmalwand der Eingangsseite:

Nebst einigen Proben ägyptischer Glasarbeiten, worunter nebst Halsketten, Skarabäen etc. besonders die zierlichen Alabastren mit Zickzackverzierungen in kobaltblauem Grunde bemerkenswert sind, verdienen hier namentlich die Fragmente bunter römischer Glasarbeiten in künstlerischer und technischer Beziehung größte Beachtung. Viele dieser Bruchstücke sind Teile von Hohlgläsern, andere rühren von Wandbekleidungen, Möbeleinlagen, von Schmuck oder Nippesgegenständen her. Die Blütezeit dieser Industrie fällt in das I. Jahrhundert n. Chr. Der größere Teil sind sogenannte Millefiori-Gläser, eigentlich Mosaikgläser, die durch das Zusammenschmelzen von Glasstäben verschiedener Farbe entstanden sind. Durch Querschnitte auf diese Stabbündel erhielt man Plättchen, auf welchen das beabsichtigte Muster zum Vorschein kam. Die Plättchen wurden in Hohlformen zu Schalen etc. zusammengesetzt, von innen durch eine Glasblase verbunden und dann auf der Außenseite von einer durchsichtigen oder durchscheinenden grünen, braunen, blauen, goldgelben oder violetten Glasmasse überfangen. Besonders feine Arbeiten erhielten noch obendrein durch Schliff eine vollkommen glatte Oberfläche. So die prächtigen Mosaikfragmente mit den zierlichen Blumen und Friesornamenten, die Masken, Vögel, Zierleisten etc. Eine hervorragend schöne seltene Probe dieser minutiösen Mosaiktechnik ist ein in mehreren Bruchstücken erhaltener Fisch auf hellblauem Grunde.

Andere ähnliche Fragmente gehören in die Gruppe der sogenannten Madreporen-Gläser. Das sind Gläser mit unregelmäßigen farbigen Flecken, Spiralbändern oder Ringen, die auf eine ganz ähnliche Art, aber unter Begünstigung von Zufallserscheinungen, die eine gewisse Unregelmäßigkeit des Musters herbeiführen, erzeugt wurden. Eine weitere Gattung bilden die Bandgläser, die aus Längsschnitten von Stabbündeln gebildet sind. Einzelne Stabbündel, welche Fäden von opaker Farbe, meist Weiß, enthielten, wurden schraubenförmig um ihre Längsachse gedreht, und es entstanden jene Gläser mit verstricktem Fadenmuster, die man Filigrangläser nennt. Ein durchsichtiger Überfang verband schließlich alle diese Stäbchen zu einer kompakten Masse. Eine ausgedehnte Gruppe bilden die sogenannten Onyxgläser, die durch Mischung und Verschiebung verschiedenfarbiger Gläser in einzelnen Stücken und Streifen eine mehr konventionelle als auf Täuschung berechnete Nachahmung kostbarer Steinarten aufweisen.

Überdies sind noch Bruchstücke bemerkenswert, die uns verschiedene Techniken antiker Glasarbeit in Einzelproben vorführen. Von der merkwürdigen Spezies der Diatreten, das heißt jener Gefäße, die ein gläsernes Netzwerk umgibt, das aus einem Überfang in der Weise herausgeschliffen ist, daß das Netz frei abstehend nur durch stehen gelassene Stege mit dem andersfarbigen Untergrund in Verbindung steht, besitzt das Museum ein Fragment, auf dem mehrere flache kobaltblaue Bügel auf einem Untergrunde von weißer Farbe aufsitzen und die Technik des Diatretum-Glases in ungewöhnlicher Deutlichkeit erkennen lassen. Besonders bemerkenswert ist ferner eine schöne hellgrüne Medusenmaske, ein aus dicker Masse gepreßter Zieransatz eines Gefäßhenkels, endlich zwei Löffel, eine Nadel, Amulette, Anhängsel, Spielsachen, Kugeln, Halsschnüre, Perlen, Mosaikgläser mit Goldflocken usw.

Unter den mannigfachen Arten der Verwendung des Goldes zum Schmucke der Gläser sind die sogenannten Fondi d’oro die interessantesten. Solche wurden hauptsächlich in römischen Katakomben gefunden. Es sind Schalen, in deren Fuß ein Goldblatt eingelassen ist, dem man eine bestimmte Zeichnung gegeben. Diese Goldgläser beginnen mit Ende des II. Jahrhunderts n. Chr. und reichen bis weit in das V. Jahrhundert. Ein Medaillon, auf welchem die Zeichnung mit scharfem Stifte eingeritzt ist, während die überflüssigen Teile abgeschabt sind und das Ganze blau unterlegt ist, zeigt einen männlichen Porträtkopf und die Inschrift ATIUS BALBIF; es wird in Buchers Katalog unter den echten Antiken angeführt, ist jedoch nicht ganz einwandfrei. Die moderne Nachbildung einer größeren Schale dieser Art befindet sich nebst andern Nachbildungen antiker Gläser und einigen neueren Arbeiten aus Hebron, die noch ganz in antiken Traditionen wurzeln, in dem kleinen Schranke vor dem Fenster.

Was die Formen antiker Hohlgläser betrifft, so bietet die kleine Sammlung im Aufsatzschrank über den Pulten ein abwechslungsvolles Bild. Wir finden halbkugelige und flache, glatte und gerippte Schalen, viereckige, kugelige, birnförmige, lang- und kurzhalsige, plattgedrückte und zylindrische sowie mit Fäden umsponnene Flaschen, solche mit eingekniffenen Bandverzierungen und mannigfach gerippten Henkeln, Ampullen mit flachem Kegelfuß und langgestreckte Phiolen, runde Becher und solche mit eingedrückten Wänden, einen sogenannten Rüsselbecher, kleine Gefäße in Tierform usw. Viele dieser Stücke zeichnen sich durch eine prächtig irisierende Oberfläche aus. Diesen herrlichen Farbenschimmer verdanken sie einem Verwitterungsprozeß, da die verschiedenen Säuren im Erdreiche der Gräber dessen Oberfläche zerstört haben.

In der Ecke links einzeln aufgestellt befindet sich eine arabische Moscheenampel in der Art, wie sie vom XIII. Jahrhundert an in Syrien, namentlich in Damaskus angefertigt wurden. Innerhalb einer weißen Bandverschlingung sind Arabesken in buntem Email dick aufgetragen. Der Grund war von Goldornamenten bedeckt, von welchen größtenteils nur noch die roten Umrißlinien sichtbar sind.

Im freistehenden Schranke in der Mitte haben ältere venezianische Gläser und solche aus Hall in Tirol Aufstellung gefunden. Die venezianische Glasindustrie, in ihrem Wesen an alexandrinische Traditionen, die sowohl in Alexandrien wie in Vorderasien noch während des frühen Mittelalters weiter gepflegt wurden, anknüpfend, ist seit dem XIII. Jahrhundert historisch nachweisbar.