„Sie sollen ja sterben! Lebendig sterben! Deshalb sind Sie doch nur hier oben, um zu sterben. Lebendig zu sterben.“

Sylvester grübelte: sagte Sybil nicht schon einmal Ähnliches?

„Sehen Sie“, der Sioux konnte nicht mehr stehen und setzte sich stöhnend auf einen Stuhl, „es ist mir ein Genuß, Menschen sterben zu sehen. Mich selber kann ich natürlich nicht beobachten. Ich müßte immer in den Spiegel spähen ...“

Bin ich es, der da von Spiegeln spricht? befragte Sylvester sein übermüdetes Gehirn.

„Sehen Sie den naturwissenschaftlichen Oberlehrer, den hauttuberkulösen Darwin. Ein unangenehmer Mensch, mit einer monistischen Welt-, Wald- und Wiesenanschauung. Er stinkt entsetzlich, und die andern Gäste beschweren sich immer über ihn. Aber ich rieche ihn gern, den Geruch der Verwesung.“

Was ist das nun wieder? dachte Sylvester. Jetzt redet er wie Pein.

„Eines Nachts werden ihn die leisen Männer aus dem Haus tragen, und am nächsten Morgen wird es heißen, er sei abgereist. Ich stehe diese Nächte immer auf. Ich betrachte mir aufmerksam jede Leiche. Ein unbeschreiblicher Friede und die Gewißheit eines höhern Lebens glänzt um den Tod. Auf Erden ist doch immer Krieg.“

Jetzt scheint er der Bulgare, sann Sylvester, er späht aus tausend Seelen und spricht mit tausend Zungen.

„Ich sah auch die hübsche Russin sterben. Sie starb leicht. Wissen Sie, wen ich sterben sehen möchte? Sybil. Das muß so sein, als wenn die Sonne untergeht und ein erhabener Aspekt.“

Er hat Visionen, erschrak Sylvester, er prophezeit. —