Als Frau Johnsen gegangen ist, setzt sich der Konsul wieder und beratschlagt nun mit dem Schulvorsteher. „Eine jährliche Unterstützung, ja,” sagt er. „Das war es übrigens auch, was ich vorhin mit einer Handreichung gemeint hatte. Haben Sie schon mit dem Doktor über diese Sache gesprochen?”

„Ja. Und er will auch nach Kräften dazu beisteuern. Aber er hat wohl nicht viel.”

„Was wird er haben! Nein, nun hören Sie, ich kann es ebensogut gleich sagen: ich bestreite diese Ausgaben. Sie können heimgehen und ruhig schlafen, Herr Schulvorsteher.”

„Aa!”

„Ja, ich tu's,” sagt der Konsul, indem er aufsteht. „Ich werde diese Handreichung, diese jährliche Unterstützung allein bestreiten.”

Der Schulvorsteher stand auch auf und murmelte überwältigt: „Hier erkenne ich Sie wieder, Herr Konsul.”

Und seht, nun brauchte also der Junge Frank nicht wieder in seine Umgebung herabzusinken, nicht zurück in das Dunkel, aus dem er hervorgegangen war. Alles kommt in Ordnung, der Schulvorsteher konnte triumphieren, konnte jedes bessere Element auf der Straße anhalten und ihm die Neuigkeit berichten, er konnte persönlich zu Olivers hingehen und sie kundtun. Das war ein glücklicher Tag für ihn, es war, als habe er selbst einen wohlüberstandenen Examenstag noch einmal hinter sich, für ihn gab es keine größeren Freuden, als wenn er auf diese Weise Gutes tun und die Überlegenheit des Unterrichts und der Bücher feststellen konnte, das war sein Beruf und seine Leidenschaft. Eine Leidenschaft muß der Mensch haben, manche trotzen Feuer und Wasser, um Zeitwörter biegen zu dürfen.

Der Schulvorsteher begegnete einer Schar Schuljugend, die von einem Gebirgsausflug zurückkam. Die Schar war ermüdet von ihren Anstrengungen, mit wunden Füßen, sonnverbrannt, von bösen Ochsen und Bauern geärgert, kamen sie daher. Der Schulvorsteher wird schon von weitem erkannt, die Schar nickt ihm zu, begrüßt ihn. Die größten der Kinder sind ihn nun los, er hat die Tortur während der ganzen Zeit ihres Heranwachsens geleitet, aber es war nur zu ihrem eigenen Besten, er rüstete sie aus fürs Leben, rüstete sie aus für Ackerbau, Fischfang, Viehhaltung, Handel, Industrie, Kunst, Familienleben, Träume und Gottesverehrung; aber jetzt sind sie frei von ihm, sie haben ihr Examen hinter sich, nun sollen sie ihre Rüstung im Kampf erproben. Da gehen sie nun hin und verwahren gewissenhaft in ihrem kleinen Gehirn den Flächeninhalt der Schweiz, die Jahreszahlen der punischen Kriege, sie stürmen ins Gebirge mit folgender Naturwissenschaft im Herzen: Fische sind Wirbeltiere! Sie hinken heimwärts mit ihrer ersten Erfahrung von einem matten Blutumlauf. Der Schulvorsteher begegnet ihnen, begegnet diesen Kindern, für die es vielleicht viel besser gewesen wäre, wenn sie etwas vom wirklichen Leben gekannt hätten; er selbst ist ein alter Mann mit dem Gehirn eines Konfirmanden, er ist halbverhungert und abgerackert, sein Rock hängt an ihm herunter wie von einem Kleiderträger, der Aufhänger steht ihm im Nacken heraus; aber da schreitet er einher, der Vorsteher der Schule, der Vorsteher des großen steinernen Schulhauses.

„Nun, wie ist es euch auf dem Ausflug ergangen?”

„Soso, Ochsen, Bauern —”