„Darüber muß man erhaben sein, himmelhoch darüber erhaben. Wollt ihr eine erfreuliche Neuigkeit hören?”
„Ja, ja!”
„Frank kommt aufs Gymnasium!”
Einige von den Kindern sind so klug, zu tun, als sei dies die erfreulichste Neuigkeit, die sie hören könnten, andere sind gleichgültig, einige neidisch. Seht, für den Reinert in Kniehosen ist es leicht, Freude zu bezeugen, er, der das von den Fischen weiß und überdies ausgesprochenes Sprachtalent hat! Frank in eigener Person ist nicht ohne Interesse für die Neuigkeit, sein sonnverbranntes Gesicht wird einen Augenblick noch dunkler, aber er sinkt nicht auf die Knie nieder. Nein, denn er hat auch früher schon Geschenke bekommen, es ist ihm die ganzen Jahre über von andern vorwärts geholfen worden, er ist nie gezwungen gewesen, selbst Auswege zu finden; es würde sich schon machen, alles würde schon in Ordnung kommen! Und jetzt sollte ihn eine besonders große Freude durchzucken? Frank durchzucken? Der Junge ist ja niemals froh gewesen, keinen einzigen Tag in seinem Leben. Er ist strebsam in der Schule gewesen und fühlte sich befriedigt, weil die Menschen seinen Fleiß und seinen Ehrgeiz hochachteten, das war alles. Nein, er kennt die leidenschaftlichen Ausbrüche nicht, er ist nie droben, hoch droben gewesen und dann heruntergestürzt, ist nie auf den Boden gesunken und wieder nach oben geschwommen, er hat sich keiner Gefahr ausgesetzt und hat nie etwas abzuwehren gehabt; anstatt sich aus einer Klemme herauszubringen, vermied er es, in eine hineinzukommen. Klug getan, aber erbärmlich getan. Gott hat ihn zum Philologen ausgerüstet.
Er verabschiedet sich von den andern und geht heim. Da bekommt er frische Fische zum Abendbrot, etwas, das ihm wahrlich not tun kann. Der Vater ist schon heimgekommen, Abel sitzt ausnahmsweise auch einmal im Schoße der Familie; der alte, ausgediente Kater schnuppert und läuft im Kreise herum, immer näher zum Fischgericht heran und miaut.
Es war, als sei etwas Fremdes in die Stube hereingekommen — Frank, als eine noch merkwürdigere Person denn sonst. Jetzt sollte er konfirmiert werden und dann fortreisen. Die Großmutter ist stumm darüber und ist gegen ihn schon wie ein sündiges Gemeindelamm gegen den Pfarrer. Vielleicht dachte sie, könnte es einmal von Nutzen sein — im Beichtstuhl.
Oliver sitzt am Tisch mit dem kleinsten Mädelchen auf dem Schoß und Petra mit dem vorjüngsten, dem blauäugigen; alle essen. Oliver ist wahrhaftig etwas niedergedrückt; er plaudert mit der Kleinen, um es etwas weniger feierlich zu machen: „Sie ist so klein,” sagt er, „und Vaters kleines Mädchen ist sie, sie ist nicht gefährlich und groß, nur ein liebes kleines Ding. Wem sein Mädelchen bist du? Vaters, ja das wußt' ich.” Dazwischen steckt er dem Kind eine Rübe in den Mund, sorgt aber sonst für sich selbst. O, Oliver kann tüchtig essen, wenn Petra ihm gegenüber nicht fest hinsteht. „Ja ja, für die heutigen Fische haben wir uns bei Abel zu bedanken,” sagt er.
Als ob das etwas Wichtiges und nicht etwas ganz Gleichgültiges gewesen wäre!
Petra ist von dem hingenommen, was dem Hause widerfahren ist, und sie bringt Frank dazu, ihr auf ihre Fragen Rede und Antwort zu stehen.
„Das Gymnasium,” sagt Oliver und nickt ihr zu, „ja, das ist der richtige Weg!” Aber er hat leider nicht Verstand genug, um das Thema weiter zu verhandeln, und sobald er gegessen hat, spielt er wieder mit der Kleinen und gibt ihr die weiße Engelsfigur als Puppe.