„Hu, wie du mich erschreckt hast, du Schreihals!”
„Ich wollt' nur sehen, ob Eduard nicht da ist.”
„Da komm her! Eduard ist eben wieder weggegangen. Er hat zu Hause gegessen und ist dann schnell wieder fort. Da komm her, hörst du!”
„Du bist selbst ein Schreihals!” sagt Abel plötzlich. — Ein Irrtum war ausgeschlossen, er selbst hörte seine Worte deutlich.
Klein-Lydia hatte unterdessen vor einem Stuhl mit Schreibsachen gekniet. Jetzt steht sie auf, und es ist nichts Böses mehr in ihr, sondern nur noch Reue über ihren übereilten Ausdruck. „Sei mir nicht böse!” sagt sie, und allem Anschein nach ist sie wieder auf dem Punkt, in Tränen auszubrechen.
Abel ist zu blöde, einen Versuch zu machen, sie geradezu zu trösten; aber er geht doch so weit, daß er fragt: „Was hast du da geschrieben?”
„Briefe! Da sieh her, was ich für Finger habe!” sagt sie und streckt ihm ihre tintengeschwärzten Finger entgegen. „Ach du liebe Zeit, wie ich ausseh'!” ruft sie und klopft sich den Sand vom Rock.
Jetzt ist alles wieder gut zwischen ihnen, und Klein-Lydia läßt ihr Mundwerk laufen. „Du kannst froh sein, daß du nicht so viele Briefe schreiben mußt. Kannst du Briefe schreiben?”
„Das weiß ich nicht.”
„Ich hab' so viele Freundinnen von der Tanzstunde her, denen ich schreiben muß. Was hast du denn da? Einen Stock?”