Abel bleibt lange liegen und erlebt das Vorkommnis wieder und wieder; er überlegt alle Möglichkeiten, bisweilen droht sein Herz auszusetzen, so heftig klopft es vor lauter Glück, bald kriecht er zusammen vor Entzücken, bisweilen ist er hoffnungslos, und dann richtet er sich trotzig auf mit einem lauten: „Na, Glück auf die Reise!”

„Reise!” äfft das Echo nach.

Er ruft: „Jawohl, Glück auf die Reise!”

„Auf die Reise!” erwidert das Echo.

Er ruft deutlicher und lauter, er buchstabiert es dem Echo vor und bringt es dazu, jedes einzelne Wort zu sagen. Das beschäftigt ihn eine Weile; aber ins Endlose kann er sich ja nicht mit diesem Papagei in den Bergen unterhalten, dagegen versinkt er in Gedanken über das Echo selbst, dieser Sprache ohne Mund, diesem Laut ohne Stimmwerk, dieser Bauchrednerei aus einem Scheinbauch, der sich vielleicht jenseits der Grenzen des Lebens befindet. Abel hat sich daran gewöhnt, das, was ihm selbst begegnet, sowie auch das, was ihm auf seinem Wege begegnet, einer notdürftigen Untersuchung zu unterwerfen; niemand hat es ihn gelehrt, niemand seine Überlegung dazu entwickelt, nur er selbst. O, er verbrachte wahrlich manche behagliche Stunde in seiner eigenen Gesellschaft! Früher wandte er sich wohl an seinen Vater und fragte ihn nach den erstaunlichsten Dingen, und Oliver war nicht der Mann, der einer Untersuchung solcher Fragen aus dem Wege ging, denn er war ja weit in der Welt herumgekommen. Aber in der letzten Zeit, und besonders, seit seine unglückliche Neigung zu Klein-Lydia übermächtig in Abel geworden war, suchte er lieber die Einsamkeit auf und schlug sich mit den Fragen allein herum. Der Schmied Carlsen hatte auch auf ihn eingewirkt, des alten Mannes weise Einfalt und Milde tat ihm gut, und seine Fröhlichkeit ermunterte ihn.

„Bumm!” ruft Abel wie ein Schuß.

„Bumm!” antwortet das Echo.

Eine ganz kurze, dröhnende Antwort, es klang wie ein ferner Knall. Es ist merkwürdig, Abel plagt sich ordentlich mit der Aufgabe, ja, sie dreht sich tüchtig mit ihm im Kreise herum; das soll der Kuckuck verstehen! Abel ist von Rätseln und unbegreiflichen Vorgängen umgeben; da ist er ausgegangen, Kreuzottern aufzuspüren, und ganz richtig, dann hört er zum Beispiel ein Echo. Auch dieses Zurücktönen ist unbegreiflich und geheimnisvoll, auch darüber könnte er bis zum Abend nachgrübeln. O, er kann grübeln! Das ist nicht eine Art Eßlust oder ein Negersport oder ein Versuch, Geld zu verdienen, Gott bewahre! Aber was es nun auch sein mag, Klein-Lydia versteht jedenfalls nichts davon, sie sitzt jetzt wohl daheim und schaut durchs Fenster hinaus, aber sie sollte nur wissen, wie dumm sie ist! Er sieht große Ebenen mit Vieh darauf, sieht Berge, Wälder, Meere, Unendlichkeiten, Jahrhunderte. —

Hat er geschlafen?

Er richtet sich auf, räuspert sich, gähnt, schlägt mit den Armen um sich und reckt sich. In demselben Augenblick hängt etwas baumelnd zu seinem Jackenärmel heraus, ein dunkles Tauende mit einem aufgesperrten Maul, ein langes Tier, das sich blitzschnell ins Heidekraut hineinschlängelt. Ho — hier schreit man nicht und rafft die Kleider zusammen vor Mäusen, man ist in einer Sekunde auf den Beinen und hinter dem Ausreißer her, findet ihn, tritt ihn nieder, zerschmettert ihm den Kopf. Getan!