O, aber wer hat es gesehen? Der Himmel und die Erde, niemand. Die Tat ist umsonst getan.
Er hebt das Tier am Schwanz auf und nimmt es mit, er will es unterwegs einem Ameisenhaufen zum Geschenk machen. Es ist ein prachtvolles Exemplar, gestreift, auf dem Rücken gekreuzt, eine Schönheit, o, so ekelhaft! Er findet keinen Ameisenhaufen, und so schleift er das tote Biest weiter mit, es begegnen ihm auch keine Menschen, nicht einmal ein Kind.
Allmählich wird es Abel langweilig, es ist doch weit bis ins Städtchen. Plötzlich fühlt er einen Stich in der Hand, in der rechten Hand, die die Schlange trägt, und als er nachsieht, ist die Hand dunkel und geschwollen, er ist also vorhin doch gebissen worden. Und da war man wieder kein Jüngferchen, das aufschreit und in Tränen ausbricht; obgleich kein Mensch zusieht, führt man sich doch wie der Mann von Eisen auf, der man ist. Abel läßt die tote Schlange los, sucht nach der Wunde und fängt an sie auszusaugen. Er kann das, er hat es früher auch schon getan. Merkwürdig, daß er den Schlangenbiß selbst nicht gefühlt hat, jetzt hat er das Gift schon mehrere Minuten im Körper, und da wird es immer schwieriger, es durch Aussaugen allein herauszuholen. Als er weitergeht, nimmt er die tote Schlange mit.
Die Stiche in seiner Hand verstärken sich, na, dies ist jedenfalls ein Sonntag ohne Einförmigkeit. Ab und zu betrachtet er seine Hand, die nicht weißer werden will, betrachtet die Wunde — ein lächerlich kleiner Biß, kaum der Mühe wert. Aber allmählich, während er so dahinwandert und die Hand nicht besser wird, sieht er sie ungeduldig noch einmal an, gründlich, wie um zu untersuchen, ob es wirklich eine Wunde ist, und zwar seine Wunde. O ja, ein Irrtum ist ausgeschlossen, und es ist ihm nicht unwillkommen, daß eine kleine Strecke vor ihm ein Mensch sichtbar wird. Abel saugt im Weitergehen an der Wunde.
Er legt die Hand mit der Schlange auf den Rücken, um den Menschen nicht zu erschrecken. Der Schmied Carlsen sitzt da am Rain. Hierher ist er also gegangen, da sitzt er einsam auf einem Stein, die Hände um seine erloschene Pfeife gefaltet.
„Bist du wieder da, Abel?” sagt er. „Ich sitze hier ganz müßig, betrachte die Berge und Täler und muß mich verwundern, baß verwundern. Siehst du den Berggipfel dort, die Felsenkuppe? Hehe, ein gewaltiger Kerl, sieh nur alle die Steine, mit denen er sich behängt hat! O wie schön ist die Welt! Willst du nach Hause gehen?”
„Ja, nach Hause,” sagt Abel und nickt. Aber da habe er ja die Schlange, und er sei auch ein wenig gebissen worden —
Der Schmied springt auf, alt, verwirrt, zitternd.
„Neinneinnein —”
„O, es ist nicht gefährlich,” erklärt Abel.