Aber wie dieses Mitgefühl wohltut, älter ist man nicht, wenn man noch ein Junge ist; diese Verwirrung und dieses Entsetzen bei einem andern Menschen zum Vorteil für einen selbst ist geradezu köstlich, das Herz schwillt einem dabei, und man lacht, um sich als Mann zu zeigen, man sagt, ach was, es sei doch gar nichts, der Meister solle nur so gut sein und ihm das Handgelenk zuschnüren, etwas weiter oben, so, ja —
Sie gehen heimwärts. „Ich hab' noch keinen so kaltblütigen, standhaften Menschen gesehen wie dich,” sagte der Schmied. „Und tut es nicht weh?”
„Nein, keine Spur, nur ganz wenig.”
Abel macht einen Umweg, um einen Ameisenhaufen zu suchen, den er von seinen Streifereien her kennt; der Schmied schüttelt zwar den Kopf, geht aber mit. Von dem Ameisenhaufen begleitet er ihn nach Hause, der Alte ist wahrlich etwas stolz auf den Jungen, er zeigt ihn dem und jenem, der ihnen begegnet, und erregt großes Entsetzen.
Sie gelangen in die Stadt, und der Fischer Jörgen steht unter seiner Tür. „Da, sieh mal dem Jungen seine Hand!” sagt der Schmied eifrig. Aber Abel, von all der Ehre stolz geworden, hält vor dieser Tür nicht an, gerade vor dieser Tür nicht, er lächelt nur und geht vorbei. Und der Schmied ruft ihm nach, ihn zur Eile antreibend: „Ja, geh nur rasch! Und geradeswegs zum Doktor! Sofort!”
Abel ist eigentlich in kalten Schweiß gebadet und fühlt sich sehr elend, aber er ist überglücklich. Seht, nun bleiben die Menschen beieinander stehen und erzählen sich von ihm; gewisse Leute sollen nur erfahren, wie sich ein Mann von Eisen bei einem Schlangenbiß benimmt!
„Hab' ich nicht deinem Vater durch dich eine Aufforderung, hierherzukommen, geschickt?” fragt der Doktor.
„Ich weiß nicht.”
„Sag ihm, er soll sofort kommen! Sonst wird er geholt. Sag ihm das! Laß mich deine Hand sehen! Pfui, wie sieht sie aus!”
Der Doktor versteht sich auf seine Kunst; jeden Sommer hat er Kreuzotternbisse zu heilen, und noch nie ist jemand daran gestorben. „Aber dies ist ein besonders schlimmer Fall,” sagt er jedesmal; das macht den Kranken sehr stolz, er kann jedermann erzählen, daß er am Rande des Grabes gewesen sei. Hier jedoch sagt der Doktor mehrere Male, es sei ein sehr gefährlicher Fall.