„Ach, du glaubst doch wohl nicht, daß der Mattis der Vater sei?”

„Na, das weißt du wohl?”

Sie stritten sich darüber, bekamen ernstlich Streit. Wenn Mattis nicht der Vater war, dann wußte Oliver noch weniger, wie er es aufnehmen sollte. Aber jedenfalls war es Samstagabend und spät, Oliver war hungrig und ungnädig, er wollte so rasch wie möglich heim. Als er endlich zu essen bekommen und überdies viel bekommen hatte, lag das Leben wieder heller vor ihm, er lachte und fragte Petra genauer über Mattis aus, was er gesagt und wie er es aufgenommen habe.

Petra erzählte. Sie war sehr zufrieden, daß das Gewitter vorübergezogen war, nun war auch sie wieder in guter Laune, o nein, das fehlte nicht, sie machte Mattis nach und machte sich über ihn lustig: Mattis habe sofort verlangt, daß Maren aus dem Hause solle, ehe sie sich legen müsse, aber Maren habe eine spätere Zeit angegeben und ihn tüchtig angelogen, o, es sei noch lange bis dahin. Dann hört er in der Nacht plötzlich ein Kind schreien, Mattis fährt aus dem Bett und läuft nach der Hebamme, läuft auch zum Doktor. Der Doktor sagt ungläubig: „Maren Salt, ist sie nicht vierzig bis fünfzig Jahre alt? Das ist doch wohl nicht möglich?” — Mattis hatte geantwortet: „Glauben Sie vielleicht dann, ich hätt' ein Kind bekommen?” — „Bist du sicher, daß ein Kind da ist?” fragt der Doktor. — „Es schreit jedenfalls, es liegt drinnen. Kommen Sie und sehen Sie selbst nach!”

Petra lacht, und Oliver lacht, und die Großmutter lacht, selbst die beiden kleinen Mädel merken gut, wie lächerlich der Schreiner Mattis sich benommen hat, und können nicht ernst bleiben.

„Ihr hättet den Mattis sehen sollen,” sagt Petra. „Da stand er, trat von einem Fuß auf den andern und schnaubte mit der Nase, er war ganz verzweifelt, weil er die alte Person nicht bei Zeit aus dem Hause hinausgebracht hatte. ‚Es heißt, sie sei zwischen vierzig und fünfzig, aber sie ist wenigstens sechzig,’ rief er, ‚und ist das menschlich? Hingehen und mit den Nüstern wedeln genau wie mit Kaninchenohren, wenn sie schon in einem Alter ist, wo man zu Asche wird.’”

Dann war Petra verschmitzt gewesen und hatte gesagt: „Ja, du wirst am besten tun, wenn du sie nimmst, Mattis.” — „Sie nehmen!” schrie er. „Ich? Warum sollte ich sie denn nehmen? Beim Satan werde ich! Und wenn je der Tag kommt, wo ich mich verändere, dann, das weißt du, ist es sicher nicht mit so einer Dirne! Das ist todsicher.”

Das ganze Haus lachte.

Aber wie um wieder etwas Würde zu zeigen, faßt sich Oliver und sagt: „Aber war nun all das etwas, um mit einem fremden Mannsbild zu schwatzen und dazu mitten auf der Straße?”

Doch Petra ist jetzt sicher. „Nein, ich hätt' zu ihm hineingehen können, aber das wollt' ich nicht.”