Das eine Ereignis löst das andere ab. Frau Konsul Johnsen geht eines Tages mit ihrer Tochter auf der Straße; sie sind beide zufrieden mit sich selbst und mit andern, dann erblicken sie in einer Querstraße den Maler, der Frau Johnsen gemalt hat, den Hardesvogtsohn, sie sehen ihn mit einer von Konsul Olsens Töchtern am Arm. Frau Johnsen ist dick und schwerfällig, sie hätte sich am liebsten auf der Stelle niedergesetzt. Aber Fia sagt nur: „Ja, sie haben sich verlobt, wie ich höre.”
Das ist etwas vom Härtesten, was Frau Johnsen erlebt hat, wäre es wenigstens der andere Maler gewesen, der Tünchersohn. Doch so oder so, keiner von ihnen würde ihre Fia bekommen haben, das fehlte gerade noch! Aber ging man wirklich hin und tat so etwas — gerade vor Fia, vor ihrer Nase! Was sagte sie dazu? Sie nahm es ganz ruhig und äußerte: „Ja, sie haben sich verlobt, wie ich höre.” Wie war denn nur die Fia angelegt und beschaffen, war sie directement kalt? Jetzt fehlte nichts mehr, als daß der andere verhungerte Bursche, der Tünchersohn, daherkam und Fia anflehte; o, dann würde aber Frau Johnsen die Tür weit aufmachen, jawohl, sperrangelweit!
Ach, war das eine Welt, in der man lebte!
Konsul Johnsen nahm es viel weniger tief, es machte ihm fast gar keinen Eindruck, er sagte ungefähr wie Fräulein Fia: „Na, haben sie sich verlobt? Aber störe mich nicht!” Darauf wendete er sich wieder seiner Zeitung zu und las weiter.
„Bedenke, die jungen Burschen, für die wir alles Mögliche getan haben!” sagt Frau Johnsen.
„Jawohl. Aber stör' mich nicht, hörst du?”
Der Konsul hatte an anderes zu denken. Da hatte nun der Rechtsanwalt und Abgeordnete Fredriksen die Regierung darüber interpelliert, was sie in bezug auf die verschiedenen Klagen von den Mannschaften an Bord unserer Schiffe zu tun gedenke. Er nannte zwar den Vorgang auf dem Dampfschiff Fia nicht ausdrücklich, verbarg aber doch nicht, daß sogar in seiner kleinen Stadt das Gerücht von ausgesprochener Unzufriedenheit mit den Reedern herrschte. Diese Verhältnisse müßten untersucht werden.
Wie ein Sturm fiel das über Konsul Johnsen her. Dieser Prokurator, dieser unrasierte Emporkömmling hatte Wein und Wohlwollen in seinem Hause genossen, und nun bezahlte er mit diesem Überfall! Man mußte wirklich viel ertragen, wenn man Doppelkonsul und ein großer Mann war!
Hätte Konsul Johnsen gewußt, was vorausgegangen war, dann würde er sich nicht so sehr verwundert haben; für diesen schlechten Streich des Abgeordneten konnte er sich bei seiner Tochter bedanken. Seht, da ging nun die junge Dame, Fräulein Fia, höchst bieder und freundlich und unschuldig dahin, aber ihretwegen gab es eine Interpellation im Landtag. So konnte es gehen. Es gehörte jetzt weniger als vorher dazu, um Herrn Fredriksen zu kränken.
Er war ja über ihre stehenden Fußes gegebene Abweisung seines Antrags etwas verwundert. Da hatte er nun endlich seine Wahl in den Landtag durchgesetzt, jetzt war er also nicht mehr bloß Rechtsanwalt; aber das schien keinen Eindruck auf sie zu machen, nicht einmal um Bedenkzeit hatte sie gebeten. „Nein,” sagte sie lächelnd und schüttelte den Kopf dabei.