„Wo?” fragte sie.

„Na” — hier konnte er nicht vorbeikommen. Der Rechtsanwalt schwieg wieder, schwieg endgültig.

Eine Zeitlang war er dann selten auf den Straßen zu sehen, er ließ sich mit niemand in ein Gespräch ein, war verschlossen, saß daheim und grübelte, was es nun auch sein mochte, worüber er nachgrübelte, ob vielleicht über die prächtige Mitgift, um die er nun gekommen war. Das hätte es mit gutem Grund sein können.

Auch im Landtag war er in den ersten Wochen ein zurückhaltender Mann, er stimmte jedesmal richtig ab und tat nichts Verkehrtes, aber er war schweigsam. Bis er in der Matrosensache das Blatt vom Munde nahm und da endlich offenbarte, welche Glut in seinem Innern brannte.

O, er sprach ausgezeichnet und rührte den Landtag, rührte Land und Volk, seine Teilnahme an den Unterdrückten war sehr groß, seine Gesinnung sehr human: Es wurde hervorgehoben, daß diese Sache zwei Seiten habe, jawohl, das sei es gerade. Und nun schade es nichts, wenn die vornehmen Reeder, wenn sie von dem gebildeten Umgang und der vorgeblichen Kultur weg auch einmal nach der andern Seite sähen. Die Schiffe könnten reine Abenteuerfahrten machen und Geld scheffelweise einnehmen, während die Mannschaften mit derselben Kost und Verpflegung verkämen, die sie von alter Zeit her hatten, wo die Menschen noch abgehärteter waren als jetzt. Und ob es eine gefahrlose Arbeit sei, in der sie stünden, ob das etwa ein Spiel sei? Die Regierung solle sich einmal an Bord unserer Kauffahrteischiffe begeben und nachsehen, in welchem Zustande die Mannschaften manchmal heimkämen; die, so nicht abgerackert seien, kämen auf einem Bein dahergehinkt oder hätten nur einen Arm, der Dienst habe sie verstümmelt. In einem solchen Zustand kehrten sie zurück zu den Ihrigen, der Redner kenne Beispiele von seiner eigenen Stadt. Aber wenn es sich darum handle, die ärmlichen Verhältnisse dieser Menschen zu verbessern, da stoße man bei ihren großen Herren auf Widerstand. Wie, wenn nun humane Rücksichten, wenn Recht und Gerechtigkeit ans Ruder kämen? „Und kann nicht die Regierung in diesen miserablen Verhältnissen Wandel schaffen, dann kann der Landtag die Änderung erzwingen — wenn er will.”

Ein Konservativer, ein Schatten der Vorzeit, sprach natürlich gegen die Rede, er wendete sich gegen die Übertreibungen; leider komme es ja vor, daß einmal ein Matrose verunglücke, aber es gebe fast keine Arbeit, die ganz gefahrlos sei; er sei in seiner Jugend selbst Matrose gewesen, das müßten ja alle jungen Burschen in seiner Stadt sein, er habe aber keine trüben Erinnerungen an die Kost und an die Verpflegung, die er gehabt habe.

Greisengerede, altes Geschwätz! Rechtsanwalt Fredriksen hörte wohl gar nicht auf ihn. Und er hörte wohl auch kaum auf den Staatsrat, der nachher redete. Dieser Mann wußte nichts Bestimmtes zu sagen, er schwebte über den Wassern, er werde seine Aufmerksamkeit auf diese Verhältnisse richten.

Das sei ja schon etwas! sagte Herr Fredriksen, und er wolle insofern dem Herrn Staatsrat für das Entgegenkommen danken. Mit diesem kühlen Vermerk schien er sich wieder gesetzt zu haben, er wollte vielleicht auch zu verstehen geben, wie wenig ihm das imponiert habe.

Das Referat berichtete:

Der Präsident wirft einen Blick auf die große Uhr und nimmt fälschlicherweise an, daß diese Sache nun erledigt sei. Der Vertreter von Telemarken erhebt sich, der Dauerredner, er widersetzt sich der Verabschiedung und sagt, jetzt wolle auch er das Wort dazu ergreifen.