„Ich?”

„Neinnein, nicht das geringste, das wußte ich. Er ist natürlich recht tüchtig und wird es zu etwas bringen ... Wenn nun aber weder du noch deine Mutter sich etwas aus ihm macht, dann braucht der Mann ja gar nicht bei uns zu verkehren. Wir laden ihn von jetzt an nicht mehr ein, rede mit deiner Mutter darüber, sie hat ihn früher recht geschätzt.”

So war dies erledigt, und eigentlich konnte der Konsul nun wieder gehen.

„Das ist wahr,” begann er wieder, „der Maler, wie heißt er doch nur, hat sich also verlobt. Ist es die ältere oder die jüngere von den Töchtern? Ja, du hast es doch wohl gehört, Fia?”

Sie lächelt. „Ich bin die erste gewesen, die es gehört hat. Unter uns gesagt, Papa, ich bin ja für beide Parteien der Vermittler gewesen.”

„Ei sieh! Du, Fia! Vermittler!”

So nahm sie es also auf.

Als der Konsul in sein Kontor zurückging, hatte er zwar keinen guten Rat betreffs des Rechtsanwalts bekommen und ebensowenig zehntausend bei einem Geschäft verdient, aber er machte sich selbst weis, er habe etwas erreicht, und er rieb sich die Hände, wie wenn er außerordentlich arbeitslustig wäre. Aber es war wohl nur ein wenig künstliche Energie. Er grüßt den einen und den andern unterwegs, grüßt auch die Damen freundlich; jawohl, sie grüßen den Konsul wieder, wie man einen großen Herrn grüßt, sie haben den Vorgang im Reichstag noch nicht gelesen. Und doch, die Damen erwidern seinen Gruß nicht wie in alten Tagen, sie schlagen die Augen nicht verlegen nieder wie früher, wenn er ihnen begegnete, er war gealtert, die jungen Damen von heute sehen auf unergrautes Haar, er mußte jetzt in tiefer stehenden Reihen suchen, er stand wohl schon auf dem Boden. Ach was! Er war der, der er war.

Der Konsul trat in sein Kontor, sah auf seine Uhr und ließ sich in seinem Sessel nieder. „Es ist wunderbar, welch eine Erfrischung so eine Viertelstunde ist!” hätte er sagen können, wie wenn er es selbst glaubte. O, sie hatte ihn aber nicht dauernd erfrischt, die Interpellation des Rechtsanwalt Fredriksen spukte immer noch in seinem Kopf. Mangel an Kultur? Fia hatte vielleicht recht. Sie war wahrlich auch die klügste, wenn sie für Liebesgeschichten nur das Interesse eines Vermittlers hatte, ein verflixt kluges Mädel, die Fia! Er hatte auch gar nichts dagegen, wenn sie sich noch einige Zeit solcher Art Kameradschaft enthielt, er wußte, was für eine unbändige Macht die Liebe ist; das würde sie schon noch zeitig genug erfahren.

Verstümmelte Matrosen? Die man also versorgt, die man also geradezu auf seinen Schoß nimmt und ihnen den Schnuller gibt. Wenn nur Scheldrup daheim wäre! Aber Scheldrup war von der modernen harten Art, er dachte an niemand anders, als an sich selbst, jetzt redete er von einem Jahr Aufenthalt in Neu-Orleans.