„Das freut mich. Wir sollen alle etwas werden, Sie in Ihrem Fach und ich in dem meinigen. Was ich sagen wollte: Sie nehmen sich doch wohl als junger Mensch vor Ausschweifungen in acht?” sagt der Konsul plötzlich.
„Vor jeder Art von Leichtsinn?” sagt er. O, dieser Konsul Johnsen, er hätte ja einen Grabstein zum Lächeln bringen können, und er fährt fort: „Ja, das sollen Sie wirklich, Sie sollen ein verständiger junger Mann sein und an den Versuchungen vorübergehen. Das erwarte ich von Ihnen.”
Frank lächelt nicht. Groß und mager und tief vorgeneigt wie in einer Kirche stand er da, antwortete gut und richtig ja oder nein am richtigen Platze, der Konsul bekam den besten Eindruck von ihm. War es seine Absicht, daß dieser junge Mann auch von ihm, seinem Wohltäter, eine vorteilhafte Erinnerung an diese Begegnung mitnehmen sollte? Wer weiß, es konnte vielleicht dem Wohltäter in der Zukunft von Nutzen sein, falls neue Überfälle drohten! Jedenfalls schadete eine kleine Rede nichts.
Der Konsul konnte in durchaus gutem Glauben diese Gelegenheit benützen, um seine moralische Seite zu zeigen. „Es gibt edle Vergnügen und leere Vergnügen,” sagte er; „in meinen späteren Jahren bin ich zu dem Ergebnis gekommen, daß die Vergnügungen im eigenen Heim und in der Familie die richtigen sind. Man kann die andern Vergnügen entbehren, wenn man ernstlich will. Das ist meine Erfahrung.”
Dieser Konsul Johnsen! Er war jetzt wohl in der Zeit der Abkühlung, jetzt, wo ihn allmählich die Lüste verließen, wollte er sich den Vorteil, sie überwunden zu haben, nicht entgehen lassen. So weit war er Kaufmann.
Übrigens war ja der Konsul Johnsen nicht lauter Hohlheit und nichts anderes, er hatte auch Gemüt; so dachte er einen Augenblick daran, dem jungen Studenten einen Stuhl anzubieten, gab es aber wieder auf, tat indes das dafür, was besser war: er trat an seinen Geldschrank und kam mit einem Geldschein zurück, mit einer großen roten Banknote, die er mit den Worten: „Bitte, hier ist ein kleines Taschengeld!” Frank schenkte.
Und Frank verneigte sich mit der tiefen Verbeugung, die ihm seinerzeit von der Tanzlehrerin beigebracht worden war.
„Es ist nicht der Mühe wert, es auszuposaunen,” sagt der Konsul; „es steht ja geschrieben, du sollst deine linke Hand nicht wissen lassen, was die rechte tut; ist es nicht so?”
„Doch.”
„O ja, wir Menschen! Aber wir müssen versuchen, es so gut zu machen, als wir können. Sie wollen wohl Pfarrer werden?”