Da konnte Reinert doch unmöglich sagen: „Willst du schon nach Hause? Es ist noch nicht spät, laß mich einmal sehen!” Aber Reinert ist weder eine feine noch eine merkwürdig zart besaitete Seele, durchaus nicht; er antwortet: „Ich gebe dir eine halbe Stunde Zeit,” und zieht dabei seine Uhr heraus.

O, Frank würde wohl in einer halben Stunde wieder da sein, jawohl!

Daheim kam er viel mehr zu seinem Recht, er wurde der Herr des Hauses, alle gingen auf den Zehenspitzen um ihn herum. „Laß mich sehen, was für einen Anzug du diesmal bekommen hast!” sagt die Mutter. „Zieh ihn nur gleich an!”

Frank erzählt, daß er zum Konsul hineingerufen worden sei, die Mutter und Großmutter sind voller Neugier und stellen eifrig Fragen. Was wollte er? O, der Konsul! Frank stellt sich gleichgültig, bisweilen antwortet er, bisweilen auch nicht, nein, denn bisweilen ist Schweigen die beste Antwort. Sie sind sehr enttäuscht, weil er nicht Pfarrer werden will, die Großmutter versteht es überhaupt nicht, denn sein Kopf sei doch gut genug dafür. Da lächelt Frank; sein Lächeln ist betrübt und schwach, es ist eigentlich gar kein Lächeln, nur ein Anlauf dazu. Die Schwesterchen streichen über den neuen Anzug, „schöne Knöpfe,” sagen sie. Ein kleines Dreieck von rotem Seidenstoff guckt aus der äußeren Brusttasche heraus, es ist da ein für allemal festgenäht und ist das Taschentuch. Die Beinkleider sind zu kurz, und die Mutter will sie durch herunterlassen verbessern; sie macht sich auch gleich daran, denn Frank soll noch einen Besuch beim Schulvorsteher machen. Die Großmutter aber sitzt in tiefe Gedanken versunken da, sie schüttelt den Kopf, murmelt vor sich hin und ist unzufrieden.

„Dann werden sie darüber reden können,” murmelt sie.

„Was sagst du?”

„Daß du nicht Pfarrer werden könntest!” Sie dachte wohl an die Weiber am Brunnen.

Da schweigt Frank, und das ist eine gute Antwort.

„Das muß sich Frank erst noch überlegen,” sagt Petra, die noch nicht alle Hoffnung aufgegeben hat.

O, aber Frank ließ sich wohl nicht herumbringen, sein Vorsatz stand fest, war Stein und Bein geworden, unerschütterlich, tage- und nächtelang hatte er die Sache überlegt und schweigt; er kennt seinen Beruf.