Frank nahm das nicht übel, im Gegenteil, er nahm das gut auf. Er hatte in der letzten Zeit nicht viele Sprachkenntnisse entfalten können und hatte nichts dagegen, sich wieder einmal zu zeigen. „Whist à 52 Blatt. Verzierte Asse. — Ja, Abel, was meinst du, daß das bedeutet?” fragte Frank immer noch gutwillig. Abel lächelte wieder verlegen und mußte die Frage unbeantwortet lassen. Frank fing an: „Eigentlich sind das drei verschiedene Sprachen.” Und dann erklärte er den Sinn vom ersten bis zum letzten Buchstaben, keinen Augenblick war er im Zweifel. Fabelhaft! Indessen hatte Abel das schmutzige Kartenspiel in die Hand genommen und zeigte, daß es ganz gewöhnliche Asse waren; wie war das zu verstehen? Darauf wurde Frank nachdenklich und ließ sich auf nichts Weiteres ein. „Aber ich kann für den Grundtext einstehen,” sagte er.

Oliver hatte ihm schweigend zugehört, jetzt rief er: „Ausgezeichnet!”

Alle sahen ihn an, und er hatte wohl auch etwas getrunken, Frank schien nicht zu strahlen. Aber Oliver hatte ja sonst schon den Sohn geduckt und war ihm mit seinem Englisch auf den Leib gerückt, jetzt wollte er ihn wieder aufrichten, er verstand sich auf Kinder. Er stellte sich an und tat ganz entzückt: nein, so ein Kopf, wie ihn sein Sohn Frank auf den Schultern trüge, großartig!

Wurde Petra eifersüchtig? Sie fuhr bei Olivers Ausspruch auf und warf den Kopf in den Nacken: „Dein Sohn!”

Oliver ist wie vom Schlag getroffen, sein Gesichtsausdruck wird ganz leer, er läßt den Mund hängen, und seine fetten Finger liegen leblos auf dem Tisch.

Petra gibt eine nähere Erklärung. „Er ist doch nicht dein Sohn allein, er ist doch auch meiner!”

Langsam kommt Oliver wieder zu sich: „Ja, wer hat denn etwas anderes gesagt? Natürlich ist er auch dein Sohn!” Und jetzt wird Oliver wieder prachtvoll der Alte, er wird wieder gerecht und will keinen Unterschied zwischen seinen Söhnen machen, er zog Abel mit herein und sagte: „Ja, wenn ich nur euch Jungen gut ins Leben hinausstelle, euch in eine nützliche Lehre oder in die Gelehrsamkeit bringe, dann hab' ich das meinige getan. Mehr kann ich nicht leisten.”

Am nächsten Abend konnte Oliver erklären, wie das mit den Assen zusammenhing. Dieser Lump von Olaus auf dem Hügel hatte zum Scherz ein falsches Spiel Karten in das Futteral gesteckt und hatte gemeint, er könne Frank aufsitzen lassen. Aber Frank hatte recht gehabt. „Und du, Abel, hast auch recht gehabt, es waren keine andern Asse, als man sie in der ganzen Welt hat, so weit ich herumgekommen bin. Und es ist, wie ich sage: Gelehrsamkeit habt ihr, Gott sei Dank!”

Was auch der Grund sein mochte, Frank strahlte dennoch nicht; diese Sitzungen daheim brachten ihm wohl nicht genug ein. Oder wie, hatten sie denn überhaupt einen Umfang? Keine Länge und keine Breite, ein enger Rahmen, Vater, Mutter, drei Geschwister und die Großmutter. Er verfiel darauf, seine gelehrten Schulbücher herzunehmen. „Mathematik,” sagte er, „himmelhohe Rechnung.” Ja, er las laut vor über Geometrie, Algebra, Derivationsregeln, Integralrechnung — „ein Kreis, dessen Krümmung der Krümmung eines Bogens in einem gegebenen Punkt gleich ist, wird der Krümmungskreis des Bogens in dem gegebenen Punkt genannt, sein Radius heißt Krümmungsradius —”

Oliver sagt ganz geknickt: „Das klingt ja beinahe, als ob es gar kein Mensch mehr wäre, der das sagt. Müßt ihr das lernen?”