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Es kann gut sein, daß Abel einen Fehler machte, als er diese Bootfahrt ins Werk setzte. Klein-Lydia kam nicht mit, und der Tag war verdorben. Er hielt bis zum Abend auf einer grünen Insel aus, schrie und machte sich zum Hanswurst, aber als er wieder zu Hause war, wollte er sofort Klein-Lydia aufsuchen und Rechenschaft von ihr fordern. Er traf sie nicht; es war Sonntag, Klein-Lydia saß beim Polizei-Carlsen und übte Klavier.
Gut.
Am nächsten Abend suchte er sie wieder auf, traf sie aber wieder nicht; sie war ausgegangen. Ihre Schwestern waren zu Hause.
Nun mußte es Klein-Lydia erfahren haben, daß er sie sprechen wollte, aber sie kam ihm nicht entgegen, sie wich ihm aus. Na, dann war es wohl eine natürliche Sache, daß sie ausgegangen war, am dritten Abend würde sie gewiß zu Hause sein.
Nein.
Da wurde Abel zahm. Er hielt zwar die Welt immer noch für einen Ort, an dem es sich aushalten ließ, aber es war keine interessante Welt, und das Leben war abscheulich und unnötig. Heute hatte er Klein-Lydia und ein paar andere Mädchen mit Reinert zusammen gesehen — dieser Küstersohn, der sich immer mit den Mädchen herumtrieb — mit dem zusammen hatte Abel Klein-Lydia gesehen. Das war ja nett! Dem Reinert wollte er einen Riegel vorschieben vor sein ruchloses Betragen, und Klein-Lydia mußte gerettet werden. Das wollte Abel tun, er wollte sie retten. Allein so etwas läßt sich nicht mit dem Hammer machen, dazu gehört Geduld und große Feinheit. Kann man nicht in den Hafen flott hineinfahren, dann warpt man sich eben in den Hafen. Er nahm sich nicht vor, noch öfter zu dem Mädchen zu gehen, weit entfernt, er gedachte sie zufällig auf der Straße zu treffen. Als er sie aber nach ein paar Tagen noch nicht gesehen hatte, schlich er sich doch in den bekannten Hinterhof.
In dieser Zwischenzeit war er still geworden, war wieder aufgeflammt, wurde wieder still, flammte noch mehrere Male auf, jetzt im Augenblick war er rasend, als er aber das Mädchen traf, konnte er doch nicht weniger zu ihr sagen, als: „Na, wo hast du dich herumgetrieben? Wenn wir heiraten, wird das ein anderer Tanz. Warum bist du am Sonntag nicht zu der Bootfahrt gekommen?”