Er erwiderte in sehr erwachsenem Tone: „Ich bin also nicht älter als zwanzig, wenn du das meinst. Oder vielleicht noch nicht einmal ganz zwanzig.”
„Gott, wie du übertreibst!” rief sie. „Du bist ja der reine Garnichts, du bist nicht im letzten, du bist im vorletzten Jahr konfirmiert worden. Meinst du, ich wisse nicht, wann du geboren bist?”
Da lachte Abel: „Nein, Klein-Lydia, entschuldige. Als ich geboren wurde, hat man an dich noch nicht einmal gedacht. Ich bin nicht mehr weit von zwanzig, was die Leute auch sagen mögen. Ich muß es doch selbst am besten wissen.”
„Na —” Klein-Lydia winkte ungeduldig ab und sagte: „Ich werd' im Frühjahr konfirmiert.”
„Das ist ja gut.”
„Das ist gut, was soll das heißen?”
Schweigen. Er meinte wohl, es sei gut, wenn das erledigt sei, dann sei sie frei und fertig, aber er wagte es nicht, sie noch mehr zu ärgern.
„So, jetzt hab' ich fertig genäht,” sagte sie und stand auf.
„Dann guten Abend!” versetzte er. Aber gleich darauf war er dreist genug, sie um ein wenig Wasser zu bitten.
„Gewiß, wenn nur Wasser da ist,” sagte sie und schaute sich um. „Du kannst ja hineingehen und trinken.”