Er konnte dies auch dem Abgeordneten gegenüber nicht lassen, sondern stichelte auf allerlei Weise drauf los. So mußte der Doktor mißbilligen, daß ein Mann wie der Rechtsanwalt Fredriksen auf Stiefeln mit hohen Absätzen daherwackle, wenn er auch Abgeordneter geworden sei. Er sei ja vordem schon mühselig genug gegangen. Der neue Überzieher gehe noch an, aber solche Stiefel für solche Füße!
Der Rechtsanwalt wußte nichts davon, daß mit seinen Füßen irgend etwas Besonderes los sei.
„Das kommt davon, weil Sie nichts von Anatomie verstehen!”
„Soviel Anatomie, als ich brauche, versteh ich schon.”
„Da haben wir's: man kommt in den Landtag und meint, man brauche dazu gar nicht mehr zu wissen, als man weiß.”
„Man kommt zuweilen zum Bezirksarzt in seinem Wahlkreis zurück und vervollständigt sein Wissen.”
„Hoho, das Vervollständigen tut's nicht, man muß am Anfang anfangen, lieber Freund.”
Der Rechtsanwalt wollte keinen Wortwechsel, andererseits wollte er aber auch dem respektlosen Kerl nicht den Triumph gönnen, daß er böse wurde und davonlief. Er blieb also und schwieg, o, aber er war sich die ganze Zeit über bewußt, wie klein der Doktor in seinen Augen war! „Da haben wir ja auch den Barbier Holte. Guten Abend, Holte!” sagt er und bleibt stehen, in der Hoffnung, der Doktor werde weitergehen. Nein, der ging nicht. „Um welche Tageszeit ist es am wenigsten voll bei Ihnen, Holte? Ich möchte mir die Haare schneiden lassen.”
„Was, mögen Sie in den Barbierladen gehen und dort warten, bis Sie an die Reihe kommen? Sie können ihn ja zu sich kommen lassen.”
„Wir Demokraten sind nicht so vornehm,” erwidert der Rechtsanwalt.