Aber Frank hat seine gute Laune eingebüßt, er ist abgeschafft und verträgt wenig, deshalb macht er sich jetzt zum Ausgehen fertig, er will jetzt gleich fortgehen.

„Willst du ausgehen?” fragt der Vater.

„Ja.”

„Na, dann danken wir dir für das, was wir diesmal gehört haben. Aber daß die deutschen Wörter ein Geschlecht haben sollen — ich hab' ja viel mehr Deutsche sprechen hören, als die meisten von uns — aber wenn du es sagst —”

„Du, dein Schlips ist elend verdreht!” macht ihn die Blaumeise aufmerksam.

Da Frank auf Genauigkeit aus ist wie ein Heftelmacher, verbessert er diese Sprache, er zerpflückt sie und zeigt, wie schlecht sie ist. Ach, aber es ist eine hoffnungslose Sache, sich Mühe mit ihnen zu geben, die haben nicht mit acht Jahren angefangen, Sprachen zu lernen. Er geht also und vergißt den Schlips.

Jetzt sind die drei wieder allein. Auch ihre gute Laune ist dahin, sie kommen nicht mehr in Zug mit der Lustigkeit, und die Braunäugige ist böse auf Frank. Der Vater entschuldigt ihn. — „Ja, aber er wird doch nicht Pfarrer, wozu braucht er dann so viel zu lernen?” — „Ach schweig! Der Schulvorsteher ist auch nicht Pfarrer und doch ein gelehrter Herr. Was schwatzst du denn da!”

Nun kommt auch Abel heim, und da er bei dem Schmied schon zu Abend gegessen hat, bekommt er jetzt nur zwei kleine Kuchen. Aber Abel ist auf seine Weise auch ein netter Kerl, und nachdem er die Leckereien verzehrt hat, zieht er aus seiner Tasche neue leckere Dinge, die er selbst für die andern mitgebracht hat. Seht, Abel bekommt ja jeden Tag bei dem Schmied seine ordentlichen Mahlzeiten, aber zu Hause ist es sehr ungleich mit den Lebensmitteln, die Schwesterchen sind durchaus nicht jeden Abend satt, wenn sie zu Bett gehen, und der Vater vielleicht auch nicht. Als Abel die zwei kleinen Tüten auf den Tisch legt, ruft er zugleich, daß sie die Süßigkeiten nicht anrühren dürften — er habe sie für sich selbst gekauft, sagt er, sie sollten sich nicht unterstehen, etwas davon zu versuchen, er wolle sich selbst im Bett damit gütlich tun. Darauf fallen die Schwestern und der Vater über die Süßigkeiten her und verzehren sie. „Ihr Raubtiere!” poltert Abel. — „Hast du noch mehr?” — fragt das Braunchen. „Ich will dir noch mehr geben!” — „Haha!” — Aber plötzlich flüstert der Vater: „Und Frank?” — Und siehe, da stellt sich heraus, daß Abel für Frank zwei Stücke Kuchen besonders in der Tasche behalten hat.

Sie essen und lassen sich's wohl sein. Mutter und Großmutter werden nicht mitgerechnet, die trinken viel Kaffee und lassen sich's auch wohl sein, sie halten oft einen Schmaus auf eigene Faust. Oliver, der Vater, selbst ist es gewesen, der diese heimlichen Feste eingeführt hat, das kam wohl von seinem Drange her, den Kleinen etwas Gutes anzutun; aber mit der Zeit war das ausgeartet, es wurde diesem Manne immer weniger Bedürfnis, offen zu handeln; er fand es am bequemsten, die Kinder im Flur zu treffen und ihnen einen guten Bissen zuzustecken, den sie auf der Stelle hinunterschlucken konnten. O, die Erinnerungen an alle diese herrlichen Durchstechereien, wo ihnen dieser Vater Gutes getan hatte! „Weißt du noch damals, und weißt du noch damals?” sagen sie zueinander. Genau genommen gab es doch keinen wie ihren Vater.

Da sitzen sie.