Jörgen antwortete darauf mit seiner gewohnten sprichwörtlichen Rede! Es sei vieles in der Natur verborgen, von dem wir lernen könnten.
Oliver sagte nicht, wohin er wollte, es war kein ganz einwandfreies Unternehmen, das er vorhatte: er wollte Eier auf den Inseln sammeln. Vielleicht konnte er bei derselben Gelegenheit auch etwas Treibholz für daheim ergattern. Es war eine doppelte Spekulation. Und das erlaubte Unternehmen, Treibholz zu sammeln, mußte das unerlaubte des Eiersammelns verbergen.
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Nein, der Fischer Jörgen war ganz und gar kein Spekulant, er war Fischer, und es hatte sich für ihn gelohnt, sich mit kleinem Verdienst zu begnügen und seine Bedürfnisse danach einzurichten. Er hatte sein eigenes Haus und sogar noch etwas darüber, seine drei Kinder waren gut und wohlgenährt, Jörgen ging es in jeder Beziehung gut.
Lydia ihrerseits war heftig und jähzornig, aber sie war tüchtig, oho, ein Schermesser und ein Reibeisen, ja eine Säge, ein Hobel und eine Kratzbürste, jawohl, aber unersetzlich für Mann und Kinder. Die Leute hatten sie im geheimen ein wenig zum besten, ihre Eitelkeit war sehr groß, sie putzte sich gerne, es ging fast ins Närrische über, ihre Kinder waren hübscher als die anderer Leute, sie selbst war hübscher als die Frauen in ihrer Nachbarschaft. Es war eine Seuche, die ihr von ihren Mädchentagen her noch anhaftete, sie hatte, als sie noch jung war, in lauter vornehmen Häusern gedient, zuerst bei Kaufmann Heiberg, dann mehrere Jahre bei Johnsen am Landungsplatz, gehörte sie da nicht zu den besseren Leuten! Hatte nicht sogar C. A. Johnsen in jüngeren Jahren eine Auge auf sie geworfen gehabt! Sie entsann sich dessen ganz genau, er hatte nichts bei ihr ausgerichtet, o nein, aber das war nicht seine Schuld gewesen.
Dann hatte sie Jörgen kennen gelernt, und sie hatte ihn drei Jahre lang hingehalten, ihn aber dann doch geheiratet. Er war nicht gerade malerisch fürs Auge, hatte kleine, gewöhnliche Züge und ein harmloses Gesicht, sein dunkler weicher Vollbart war sogar etwas Besonderes. Allerdings war er ziemlich schwerfällig, war auch kein guter Tänzer, Gott und jedermann hörte ihn von weitem, wenn er kam und wenn er ging, das stillsitzende Leben in seinem Boot trug auch nicht zu seiner Leichtfüßigkeit bei. Aber Jörgen war ein zuverlässiger, ruhiger Mann, Lydia hatte noch keinen Tag bereut, daß sie ihn genommen hatte.
Jörgen arbeitete; es ging so weit, daß es ihm nicht wohl war, wenn er des Wetters wegen nicht hinausrudern konnte, und der Frühling und Frühsommer waren widerwärtige Zeiten mit ihren endlosen Festtagen, die man feiern mußte, Ostern und Pfingsten waren ihm eine wahrhaftige Prüfung. Es wäre noch angegangen, wenn er keinen Absatz für seine Fische gehabt hätte, aber wenn die Stadt auch nur klein war, so litt sie doch immer an Fischmangel, und die Fischpreise stiegen mit jedem Jahre. Oliver konnte über den Verdienst spotten, soviel er wollte, der Fischfang im kleinen war eine gute Versorgung, eine ausgezeichnete Versorgung. Und Jörgen hatte überdies in einer Zeitung gelesen, daß der Fischfang von ebenso gesegneter Art sei wie der Ackerbau: es sei ein Einheimsen des Jahresertrags. Auch er stand im Dienste der Erde.
Aber jetzt mußte man an Land liegen. Endlich waren die großen Festtage vorbei, sowie auch Christi Himmelfahrt, der siebzehnte Mai und der Buß- und Bettag, aber Gott schickte Sturm und Unwetter, und das Meer raste, Gott wollte eine dreiwöchentliche Ruhe im Einheimsen des Meeresertrags eintreten lassen; wozu das nun gut sein sollte! Jörgen wanderte mit seinem kleinen Jungen umher, sie wanderten oft, bis sie tropfnaß waren, sie stiegen auch noch auf die Berge, betrachteten das Meer und zählten die Dampfschiffe draußen; dann gingen sie zum Boot hinunter, sahen nach, ob es sicher lag, ob es nicht ausgeschöpft werden mußte. Es war Jörgen wind und weh bei diesem Müßiggängerleben.