Er begegnete Oliver. Da sie nichts anderes zu tun hatten, setzten sie sich unter Dach und hielten einen Schwatz miteinander. Oliver war es nicht wind und weh, ihm ging's körperlich gut, das schlechte Wetter erlaubte ihm müßig zu gehen, der Fleiß war ihm abhanden gekommen. Es war eine Lenkung des Schicksals: kaum hatte er sich vorgenommen gehabt, sich das Geld zu einem neuen Anzug zu verdienen, als auch schon diese langandauernde, gezwungene Untätigkeit einsetzte und sein guter Vorsatz wieder dahinsiechte. Das einzige, worüber er sich jetzt grämte, war, daß er nicht weit hinausfahren und fortbleiben konnte, nun mußte er gezwungenerweise Tag für Tag daheim sein und sich mit seiner Mutter herumstreiten.

Im Philosophieren hatte es Oliver allmählich zu einer ganzen Meisterschaft gebracht. Er war jung, und zuzeiten konnte er eindringlich und heftig über sein Dasein Reden halten. „Seht nun einmal, geht denn alles so hübsch und perlenbestickt, wie man uns aus der Schrift lehrt! Der Olaus vom Wiesenrain hat in einem Jahr einen Minenschuß ins Gesicht bekommen, und es ist davon ganz blau geblieben. Im nächsten Jahr, als er auf der Werft Arbeit gefunden hatte, kam ein Schwengel daher und riß ihm die eine Hand weg. Jetzt trinkt er wie ein Loch und prügelt sich mit seiner Frau. — Nimm, wen du willst, Jörgen, das Unglück kann uns alle verändern und verderben, und wenn wir noch so sehr Gottes Geschöpfe sind.”

„Ja,” sagte Jörgen.

„Ja, ist es nicht wahr? Und wenn du eine noch so gutmütige Seele bist und du bekommst eine Kanonenkugel in den Rücken, so wirst du nicht besser dadurch. Nein, weit entfernt, du wirst gar nicht besser dadurch. Vielleicht meinst du, du werdest besser, wie?”

„Ach, das ist das, was man eine Züchtigung nennt,” sagt Jörgen sanftmütig.

„Du bist ein Schaf, Jörgen. Züchtigung? Das kannst du dir selbst vorsagen, wenn du in ein Unglück gerätst!” — Oliver war plötzlich ganz kreideweiß vor Erregung geworden; aber als Jörgen Miene machte, zu gehen, bereute er seine Heftigkeit, griff in die Tasche und zog eine Tonpfeife heraus: „Willst du sie haben? Ich hab' sie für dich mitgebracht.”

„Hast du das Rauchen aufgegeben?”

„Schon lange. Schon seit dem Krankenhaus. Ich hab' sie einmal im Ausland gekauft. Wenn du sie also gern haben möchtest —”

„Nein. Du mußt sie aufheben.”

Sie gingen heimwärts.