Einen Mann. Einen Fremden in den dreißiger Jahren, einen Unbekannten mit dünnem dunkelm Vollbart, er hat einen Gummimantel an, der mit einem Lederriemen um den Leib zusammengehalten ist.

Einige Sekunden starren sie einander an, ihr Zusammentreffen überrascht wohl beide; dann greift der Mann zu dem Ausweg, nach einem Regenschirm zu schauen, der an der Wand hängt, sieht dann den Postmeister an und dann wieder den Regenschirm. Er macht einen ganz jämmerlich verwirrten Eindruck. Dieser Regenschirm — es ist gerade, als ob er sich nicht erinnern könne, wann er ihn hier aufgehängt habe.

Bekommt er denn nicht ein wenig Hilfe von dem Postmeister? Wieso denn? — Von dem Postmeister, der sich selbst nicht mehr helfen kann; er ist mit dem Rücken an die Wand gesunken und steht da und hält die Laterne in die Höhe.

Jetzt nimmt der Fremde den Regenschirm herab und fängt in einer Art von Verzweiflung eine Erklärung an, die sonderbar lautete, unheimlich lautete; war der Mensch rasend oder betrunken? Er spricht englisch, die Worte sind da, aber der Mann ist verrückt, er versucht, ob sich der Regenschirm aufspannen läßt und spricht mit ihm: „Zahnarzt!” sagt er. „Das mein' ich. Wie sagt man denn weiter? Haben Sie verstanden?”

Der Postmeister ist starr und blaß wie eine Leiche. Gleich zu Anfang war ein frohes Leuchten über sein Gesicht geglitten; es war, als ob er den Mann kennte und mit ihm sprechen wollte, dann hielt er inne und überlegte, er mußte wohl seinen Irrtum eingesehen haben und wurde wieder ganz starr.

Versteht er denn die Sprache nicht? Doch, gewiß, er hat an diesem Abend schon mit dem englischen Kapitän und mit dem Steuermann in deren Sprache geradebrecht. Hat er nichts zu sagen? Vielleicht hat er zu viel zu sagen! Als der Fremde der Tür zugleitet, flüstert der Postmeister: „Wart ein wenig!”

„Der Zahnarzt!” sagt der Mann. „Begreifen Sie nicht? Ich bin verrückt vor Zahnweh. Wohnt er nicht hier? Ich sah ein Schild —”

Der Postmeister flüstert: „Ich hatte einen Sohn —”

„Der bin ich nicht,” antwortet der Mann und will weiter.

„Wo sind Sie her?”