„Weg da!” befiehlt der Mann.
Der Postmeister sagt mit niedergeschlagenen Augen: „Haben Sie einen Regenschirm gehabt, als Sie herkamen?”
Der Mann scheint zu überlegen: „Hab' ich keinen gehabt? Dann —”
Aber plötzlich denkt nun wohl der Postmeister an die Tür zum innern Kontor, wo die Wertbriefe sind, das Wichtigste von allem; die Tür ist nicht mehr verschlossen, sie steht ein Spältchen auf. Der Postmeister eilt hinein, und gleich darauf ist ein Stöhnen zu hören.
Nachdem der Fremde in den Hof hinausgetreten war, blieb er plötzlich stehen, wartete einen Augenblick und kehrte dann zurück. Er trat wieder in den Gang und hängte den Regenschirm an seinen Platz. Durch die offene Tür sah er den Postmeister drinnen. Er lag zurückgelehnt in seinem Sessel. Die brennende Laterne stand neben ihm.
Da geht der Fremde wieder auf die Straße hinaus und fängt an zu laufen. Es stürmt und regnet. Oliver ist vom Bollwerk heraufgekommen und sieht diesen Mann an sich vorbeijagen. „Das ist ja der zweite Steuermann,” denkt er. „Der muß ja entsetzliches Zahnweh haben.” „Hallo!” ruft er und will ihn an sein Geld erinnern. Aber der Mann läuft nur immer weiter.
Was — das wird Oliver doch verdächtig. Was hatte der zweite Steuermann jetzt an Land zu schaffen? Zur Flutzeit heut nacht würde sich wahrscheinlich der Wind drehen und der Sturm sich legen, dann würde sein Schiff abfahren, wußte er das noch nicht? Oliver ruft ihm noch einmal nach, aber vergebens. Da läuft er wahrhaftig dem zweiten Steuermann auf der Landstraße nach, und es ist unglaublich, was für Sprünge er macht mit Hilfe seiner Krücke. Wenn es gilt, kann Oliver mehr als Schritt halten. Und jetzt gilt es sein Geld.
Er holt den Läufer ein und sieht, wie er stehen bleibt und eine Art von Signal gibt — es ist gerade da, wo das freie Feld aufhört und der Weg in den Wald hineinführt, in den dichten Wald hinein, und gerade daher ist ein Signal zu hören. Oliver hört auch eine Antwort darauf. „Für Schürzenjägerei ist jetzt nicht das richtige Wetter,” denkt Oliver; „es muß etwas anderes vorgehen, was kann es sein?” Er hüpft weiter bis zu den ersten Bäumen und versteckt sich dort.
Da sieht er ein paar Gestalten zu dem zweiten Steuermann auf den Weg heraustreten, nun bleiben sie stehen und stecken mit dem Steuermann die Köpfe zusammen. Das ist sehr geheimnisvoll, sehr merkwürdig. Da der Wind zu ihm hersteht, konnte er wohl den Ton ihres Gespräches hören, aber er versteht nichts, sie reden also nichts oder sie flüstern. Die dort sind wie Gespenster, sie bewegen sich, sehen einander vielleicht an, handeln und wandeln, aber sie schweigen. Oliver findet das Ganze recht unheimlich, er wäre gerne fortgegangen, wenn ihn nicht die Sorge um sein Geld festgehalten hätte.
Die Zeit vergeht, Mitternacht ist vorbei, die Flut ist da, der Wind schlägt um, und plötzlich macht sich Unruhe und Eile in dem Trüppchen dort bemerkbar, die Gespenster kommen auf Oliver zu, und er hört, daß sie dennoch sprechen. Zwei sind es außer dem zweiten Steuermann, ein Frauenzimmer und eine langbärtige Mannsperson. Als sie dicht bei ihm sind, macht Oliver einen Satz auf den Weg heraus. Aus der Gruppe schallt ihm ein Aufschrei entgegen. Der zweite Steuermann scheint weitereilen zu wollen, aber Oliver spricht ihn an und verlangt sein Geld.