Petra schläft.
Nein, die Stunde war völlig verdorben, ihre Größe und die Feierlichkeit zunichte gemacht. Na, das war ja eine Freude, auf diese Weise mit einem Vermögen in der Tasche zu seiner Familie nach Hause zu kommen!
Er zog seine nassen Kleider aus, schnallte den Stelzfuß ab und legte sich neben seine Frau — wie eine Insel neben einer Insel. Anders ist das gar nicht zu sagen. Sie ist ohne jede Schwachheit, und ihr in Ruhe befindlicher Körper atmet schwer und ruhig, es ist finster, und er kann sie nicht sehen, aber sie ist warm und riecht behaglich, sie liegt freundlich an der Seite, um ihm Platz zu lassen. Seine nächtlichen Abenteuer beschäftigen Oliver andauernd, die Stunden vergehen, und als es soweit Tag geworden ist, daß er zur Not sehen kann, greift er nach seinem Geld und zählt, den Rücken nach dem Bett gewendet, heimlich seine Scheine.
Am Morgen will er vor lauter Kränkung gegen Petra keinen Ton verlauten lassen; eine Frau, die die große Gelegenheit, etwas zu erfahren, verschlafen hat, ist nichts Besseres wert. Aber er hatte gar nichts davon, denn es ging wahrhaftig so, daß Petra selbst von einem unerhörten Ereignis Kunde brachte: sie kam vom Brunnen und hatte den Eimer noch nicht abgestellt, als sie schon erzählte, das Posthaus sei heute nacht ausgeraubt worden; den Postmeister habe man auf einer Haustreppe weit draußen in der Stadt gefunden. Er habe da ohne Hut gesessen und sei nicht recht bei Verstand.
Zu jeder andern Zeit hätte Oliver da augenblicklich zu seiner Krücke gegriffen und wäre in die Stadt gehumpelt; aber der Ärger darüber, daß ihn Petra in der Nacht um seinen Triumph gebracht hatte, hielt ihn zurück. Er wollte jetzt lieber auch keine Spur von Überraschung über ihre Erzählung, über ihre Räubergeschichte an den Tag legen, nein, nein, weit entfernt! Er frühstückt weiter, und Petra ist in tausend Qualen, weil er sie nicht ausfragt. Wie sie rasend und immer rasender wird! Es scheint, daß sie sich selbst gelobt hat, ihm keinen Kaffee mehr einzuschenken, obgleich seine Tasse leer ist; mag er doch für sich selbst sorgen! Endlich sagt sie: „Na, hast du heut nacht die Sprache verloren?”
„Die Sprache verloren?” erwidert er sehr verwundert.
„Mach, was du willst!”
„Wovon sollt' ich denn reden?” fragt er. „Was meinst du denn?”
„Dann hast du wohl nicht gehört, was ich erzählt habe?”
„Was — der Dreck? Ich weiß viel mehr als das!”