„Das erklärt viel!” sagt der Doktor.

Hier war der Doktor ein anderer Mann, er hatte nicht nötig, immer auf der Hut zu sein und Nadelstiche auszuteilen, hier hatte man die nötige Hochachtung vor ihm, auch ohne das. Hier trat er freundlich und herablassend auf, er machte sich's sozusagen bequem. Im Bewußtsein, daß er der Überlegene war, vertiefte er die Kluft zwischen sich und diesen Menschen nicht noch mehr. Hier im Hause herrschte außerdem gute Laune, es schmeckte zur Abwechslung nicht armselig. Der Doktor war in dieser Beziehung von Hause nicht verwöhnt, hier war Lachen und Gesundheit, und natürlich war hier auch einige kindische Vornehmheit.

Fortwährend gingen Leute aus und ein. Außer dem Schwiegersohn mit seiner Familie hatten sie auch noch Besuch von dem andern Kunstmaler, dem Tünchersohn; o sie hatten ihn mitgenommen, er war allerdings nicht in die Familie eingeheiratet wie sein Kollege, aber auch er war willkommen und bewohnte ein Mansardenzimmer mit Teppichen und Vorhängen, die bis auf den Fußboden herunterhingen.

Und nun wollte dieser Tüncher das Bildnis des Doktors malen.

„Was wollen Sie denn damit?” fragte der Doktor aufrichtig. „Ich kann es nicht kaufen, und jemand anders wird es Ihnen auch nicht abkaufen.”

„Ich will Sie um Ihres Gesichtes willen malen,” antwortete der Maler. „Auf Lohn wird nicht gesehen!” fügt er munter hinzu. Dieser Tünchersohn war gar nicht so übel, er konnte zuweilen recht schlagfertig sein, er war leicht entzündlich und immer verliebt, hatte auch ein ehrliches Gesicht, aber seine Hände waren groß und ungeschlacht, der Doktor betrachtete diese Hände mit Widerwillen.

„Ja, malen Sie nur!” sagte der Doktor und tat gleichgültig.

„Danke! Aber ich will Sie in Ihrem Studierzimmer malen, umgeben von Arzneikolben und dicken Büchern, versunken in Ihre Wissenschaft.”

Der Doktor zuckte sichtlich zusammen. Das war einmal ein merkwürdiger Künstler, welches Verständnis für einen Gelehrten und dessen Tätigkeit! Der Doktor war augenscheinlich gerührt, eine schwache Röte stieg ihm in die Wangen, und er trank sein Glas aus, um das zu verbergen.

Ja, hier in Grütze-Olsens Haus hatte er es gut!